XXL Leseprobe: #3 VERLOGEN (Dark Hill Secrets, Teil I) + Green Valley-Szene

Die Rechte am Text liegen bei mir!

Nach den beiden vorangegangenen Leseproben folgt heute die letzte!

Und nun Auftritt Green Valley 🙂

*

Benny Schafser sah auf.

Goldener Oktober. Einfach wunderschön.

Die Sonne strahlte auf ihn nieder und ließ die bunten Blätter tatsächlich golden schimmern.

So romantisch.

Nur leider war seine Verlobte, Laura Bunkma, nicht bei ihm. Ihr gefiel das genauso gut. Was sie wohl gerade tat?

Es lag ein Zeitunterschied von acht Stunden zwischen Kanada und Deutschland.

Bei ihr war es gleich sechs Uhr morgens. Sie war bestimmt bereits wach.

Sie entschied sich für ein Auslandssemester, welches sie in Calgary, Kanada, absolvierte. Dort studiert sie die Tiermedizin für ein Semester.

Noch drei Monate. Dann war sie wieder bei ihm. Benny konnte es kaum erwarten.

Green Valley war ohne Laura nicht dasselbe.

Er wendete seinen Hengst Boyly Chance und ritt weiter in Richtung Gebirge.

Der zweiundzwanzig-jährige, junge Mann griff sich an die Krempe seines Cowboyhuts.

Diesen Sommer veränderte sich einiges. Unter Anderem zogen auf dem Dunscher Hof tatsächlich endlich neue Leute ein.

Er stand einige Jahre leer, kurz vor dem Einzug der neuen Bewohner hatte man Renovierungsarbeiten leisten müssen, da das Haus so nicht mehr bewohnbar war, wie es seine letzten Besitzer zurückließen.

Der Gedanke an neue Leute darin war komisch. Zumindest wenn man wusste, wer zuvor dort drin lebte. Und was er so tat …

Neugierig auf die neuen Mieter war er aber schon. Er überlegte, ob er nicht einfach mal freundlicher Nachbar spielte und sie willkommen hieß.

*

Nina ging durch die Gänge des Supermarkts im Ort, Chieming in Bayern, durch. Gemütlich, persönlich, liebevoll – so würde sie ihn und das ganze Dorf bezeichnen.

Sie besuchte heute Morgen die Vorlesungen in der Uni. Nach acht Stunden kostete es Überwindung, nicht einfach nach Hause zu fahren und sich erledigt aufs Bett zu schmeißen, sondern noch einkaufen zu gehen. Ihr Kühlschrank sah mau aus.

Und zu diesem Zweck lieh Finn ihr sein Auto.

Kathrin arbeitete im Stall ihrer Arbeitgeberin und Finn in der Werkstatt, in der er seine Ausbildung absolvierte. Nacheinander kamen die beiden auch gleich nach Hause.

Und bemerkten, dass es nichts zu futtern gab.

Sie seufzte innerlich. Ach – dachte sie sich – wie fremd das alles noch war. Fremde Straßen, neue Leute, alles unbekannt.

Die junge Frau ging zur Kasse und legte alles aufs Band.

Währenddessen fiel ihr auf, dass an der Kasse neben ihr ein Mann, ein paar Jahre älter, stand und sie beobachtete.

Als es ihr auffiel, lächelte er sie charmant an.

Mehr als ein Flirt war sowieso nicht drin – dachte sich Nina einmal mehr.

Sie bezeichnete sich selbst gern als beziehungsuntauglich. Mehr als Freunde, oder eben ein lockerer – eventuell auch heißer – Flirt war einfach nicht drin. Eine richtige Beziehung, mit echten Gefühlen und alltäglichem Stress und so weiter – nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Oft genug hatte sie es bei Freunden erlebt. Das war ihr zu anstrengend. Lieber ungebunden, unverbindlich und frei.

Nina lächelte dennoch keck zurück und wartete weiter in der Schlange bis sie dran war.

Ein paar Blicke wurden noch ausgetauscht, ehe erst er und dann sie zahlten und ihre Wagen hinausschoben und das Eingekaufte ins Auto verfrachteten.

Nina schob ihren Wagen gerade zum Stand zurück, holte sich das Euro-Stück, steckte es in ihr Portemonnaie und trank einen Schluck ihres Coffee-to-go-Bechers, den sie beim Einkauf mitgenommen hatte.

Den Koffeinschub benötigte sie jetzt einfach nach diesem kräftezerrenden Tag.

Ein Schluck.

Eine Drehung, um ans Auto zu gelangen.

Und jemand, der hinter ihr stand, um seinen Wagen ebenfalls weg zu bringen.

Mehr benötigte es nicht, um gegen diesen Jemand zu laufen und sich den Kaffee über zu schütten.

Erschrocken schnappte sie nach Luft, bemerkte sofort das Ausmaß auf ihrem Schal und der Jacke.

„Oh nein, das tut mir so verdammt leid.“

Nina sah hoch und bemerkte erst jetzt, dass es ihr kleiner Einkaufsflirt war.

Zufall, dass er zeitgleich hier stand?

Das ließ sich nur spekulieren.

„Nicht schlimm. Ich hätte die Augen aufmachen müssen.“

„Ich auch.“ Er versuchte, zu lächeln. Ihm war es selbst ein wenig unangenehm.

„Quatsch, alles gut. Ein Waschgang und alles wieder in Ordnung.“

„Cool, dass du das so locker nimmst.“

„Warum sich das Leben unnötig schwer machen.“

Er taxierte sie kurz schmunzelnd. „Richtig.“ Er fuhr sich verlegen durch die Haare.

Nina sah ihm an, dass er sie so nicht gehen lassen wollte und noch nach Worten suchte.

„Ich bin Elias.“ Er reichte ihr die Hand.

„Nina.“

Ein fester Händedruck – registrierte sie. Selbstbewusstsein also – schlussfolgerte sie. Und doch ein wenig verlegen im ersten Kontakt mit einer Frau. Das gefiel ihr.

„Vielleicht kann ich dich als kleine Entschädigung zu einem Kaffee einladen.“

Nina sah ihn für Sekunden nachdenklich an.

„Natürlich nur, wenn du willst. Wenn du einen Freund hast, den das stören würde, oder …“

„Nein, das ist es nicht“, wehrte sie ab.

„Was, keine Lust oder ein Freund?“

„Weder noch.“ Sie gab sich einen Ruck. Wenn es ein Desaster werden sollte, konnte sie immer noch gehen. „Also gut, überredet.“

Er grinste, holte etwas zu schreiben aus seiner Innentasche der Jacke und gab ihr seine Nummer. „Wenn du nach diesem … chaotischen Kennenlernen immer noch einen Kaffee trinken gehen willst, dann melde dich. Würde mich echt freuen.“ Elias lächelte sie nochmal an und machte dann auf dem Absatz kehrt.

Nina sah ihm kurz hinterher. In der einen Hand ihren nur noch halbvollen Kaffeebecher, in der anderen das Blatt mit der Handynummer dieses – zugegeben nicht unattraktiven – Mannes und bemerkte erst jetzt den Geruch von Kaffee. Er kam von ihrer Jacke.

*

Dunkelheit umgab ihn.

Er saß in seinem Auto.

Den ganzen Tag beobachtete Kaleb sie.

Bei der Uni, dem Einkaufen, nun zuhause.

Da fiel ihm heute erstmals dieser Typ auf.

Die Erkenntnis, etwas eventuell Relevantes doch nicht über sie zu wissen, ärgerte ihn.

Aus den Papieren, die er von seinem Auftraggeber bekam, wusste er bereits einiges über Nina Hölzer. Anderes recherchierte er im Internet, wobei sie da ziemlich spärlich mit Infos zu ihrem Leben umging. Erschwerte natürlich seine Arbeit.

Aber zu diesem Typ fand er nichts in den Unterlagen.

Er musste herausfinden, was für eine Beziehung sie hegten.

Kaleb schloss die Unterlagen einmal mehr, schaute auf das Haus vor sich, welches in jedem Zimmer beleuchtet war und sah, wie jemand am Fenster vorbeihuschte.

Der dreißigjährige versuchte herauszufinden, wer das gewesen war.

Er sah auf das Bild von Nina Hölzer, welches er mit den Papieren über sie hielt.

Es wurde Zeit, dass er in ihr Leben trat. Immerhin hatte er einen Auftrag zu erfüllen.

*

„Ich will einen Namen.“

„Hast du doch, Kathrin.“ Finn tätschelte ihren Kopf und streckte ihr die Zunge raus.

„Für den Hof, du Dummkopf.“

„Wieso das?“, fragte Nina.

„Weil ich aus dem ganzen hier was machen will und dann ist es ja unpassend, wenn ich für den unbekannten Hof da hinten auf dem Anliegerweg Werbung mache, oder?“

Nina neigte den Kopf zur Seite. „Wie man’s nimmt. Der Name dürfte im Gedächtnis bleiben.“

„Hast du schon einen?“, mischte sich Finn ein.

„Nein, noch nicht. Hab schon im Internet gegoogelt, aber nichts gefunden, was mir auf Anhieb gefallen hat.“ Kathrin legte den Kopf in ihre Hände.

Die Haare standen ihr aus dem Zopf in alle Richtungen ab, sie trug ihre Stalljeans und roch auch so. Zwei Schmutzschlieren verliefen über ihr Gesicht. Kathrin kam soeben nach Hause.

„Ich bin draußen. Will mir noch die neuen Scheinwerfer einbauen, die ich mir geholt habe. Sind nagelneu, hab ich im Angebot gekauft. Damit fällt der Wagen so richtig cool auf. Muss ja schließlich was her machen.“ Er zwinkerte seinen Freundinnen zu.

„Es ist doch schon dunkel.“

„Ach, Nina – ist mir noch gar nicht aufgefallen“, meinte er mit triefender Ironie.

Sie hob entwaffnet die Hände.

„Im Stall geht das Licht. Hab ich schon ausprobiert. Ich mach einfach beide Stalltore auf, dann kann ich reinfahren. Das ist einfach super krass. Der Schuppen wird mein Revier. Motz‘ ich so richtig zu ’ner Autowerkstatt auf.“

„Das ist ein Stall, Finn. Ein Pferdestall“, seufzte Kathrin müde und erweckte den Anschein, als würde sie gleich vom Stuhl fallen. „Ach, Leute, ich geh mich frisch machen und dann schlafen.“ Um dem Ausdruck zu verleihen, gähnte sie einmal herzhaft und laut.

„Dann schmeiß ich den Laptop an und schreib weiter an meiner Bachelor-Arbeit.“

„Mach das. Außer dir versteht den Fachjargon ja eh keiner in diesem Haus.“

„Schließ nicht immer von dir auf andere, Finn“, rief Kathrin aus dem Flur.

Grinsend den Kopf schüttelnd fuhr Nina den Laptop hoch und rief ihre Arbeit auf. Sie hatte noch nicht viel auf dem Blatt. Die Gliederung ihrer Arbeit mit Stichpunkten und Quellen lag neben ihr. Immer wieder warf sie einen Blick darauf und tippte dann weiter.

Nina hielt inne, schaute sich den Text auf dem Bildschirm an und schnappte sich seufzend ihren Kalender. Morgen: Uni, arbeiten im Café in Chieming und danach weiter an ihrer Arbeit schreiben. Ihr Tag war also definitiv verplant.

Ein Funke der Erinnerung flammte auf.

Sie erhob sich beinahe sprunghaft und eilte zur Waschmaschine.

Ihre Jacke.

Der Zettel …

Die Jacke war wieder sauber.

Der Zettel, auf dem Elias‘ Handynummer gestanden hatte, aber auch.

Verärgert über sich selbst schnaubte sie. Man konnte gar nichts mehr entziffern. Das Blatt war weiß und nass.

Sie hing ihre Jacke zum Trocknen auf und setzte sich wieder vor ihren Laptop. Im Internet suchte sie nur mit Elias‘ Vornamen nach ihm oder einem Anhaltspunkt.

Natürlich ergab das keine Treffer.

Nina verschluderte tatsächlich seine Nummer. Das war es dann wohl mit dem süßen Typen aus dem Einkaufsmarkt. Er würde denken, dass sie es sich anders überlegt hatte und sich deswegen nicht meldete.

Sie stützte ihren Kopf mit der Hand und starrte stumm schweigend in Gedanken versunken den Bildschirm an.

Die Motivation, an der Arbeit zu schreiben, war dahin.

Plötzlich klingelte ihr Smartphone.

Die Mobilnummer kannte sie nicht.

„Hallo?“

„Pflegeheim am Chiemsee, hallo. Spreche ich mit Nina Hölzer?“

„Ja, am Telefon.“

„Ich bin eine der Pflegerinnen Ihrer Großmutter, Marietta Hölzer.“

„Ja.“ Nina zog das Wort in die Länge, befürchtete auf einmal das Schlimmste und umklammerte ihr Handy fester.

„Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass … das Pflegeheim brennt und wir bemüht sind, so viele unserer leichten Pflegefälle wie möglich für einige Tage bei ihren Verwandten unter zu bekommen. Besteht da bei Ihnen die Möglichkeit, Frau Hölzer so lange zu beherbergen?“

„Ja, natürlich. Wie geht es ihr? Wie kam es zu dem Brand?“ Nina hörte im Hintergrund der anderen Leitung ein Fahrzeug mit lauter Sirene anfahren.

„Die Ursache steht noch nicht fest. Ihre Oma ist eine der Glücklichen, die überhaupt nichts abbekamen.“

Nina atmete erleichtert auf. „Ich komme sofort.“ Sie legte ohne Weiteres auf.

„Wohin?“ Kathrin stand in der Tür und trocknete sich mit einem Handtuch die Haare.

„Das Heim meiner Oma hat gebrannt. Ich muss sofort hin.“

„Warte kurz. Ich zieh mir was über, dann fahr ich mit.“

Währenddessen schlüpfte Nina in Jacke und Stiefel und überlegte nur kurz, wieso man sie, Nina, anrief – die Enkelin -, und nicht ihre Mutter – Mariettas Tochter. War sie nicht zu erreichen?

Was es auch war, es war Nina gerade sehr recht nicht ihrer Mutter begegnen zu müssen.

Das Auto, welches draußen auf dem Hof im Schutz der Büsche in den Dunkelheit stand, fiel niemandem auf …

*

ENDE Kapitel I

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