Leseprobe: ZWISCHEN LIEBE UND WAHN (Band 17)

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Ich wollte Band 17 noch unbedingt dieses Jahr für euch veröffentlichen – und … es hat funktioniert! Viel Spaß mit der folgenden Leseprobe, wobei die Rechte am Text bei mir liegen!

***

1

Liebste Sahra,

ich hab mich heute wieder schrecklich nach dir gesehnt! Ich wollte erst zu dir kommen, als du in Chieming bei deinen Freundinnen standest, aber hab mich dann doch nicht getraut.

Irgendwann bin ich so weit und kann dir sagen, was ich dir momentan noch schreibe …

Liebste Grüße,

dein größter Verehrer auf Erden

Sahra Düllmen sah ihre beiden Freundinnen Bianka Schafser und Laura Bunkma entgeistert an, nachdem sie den Brief, den sie heute wieder einmal im Briefkasten an sie adressiert gefunden hatte, laut vorgelesen hatte.

Habt ihr das mitbekommen?“, fragte sie, als von diesen keine Reaktion kam.

Klar, du hast es ja vorgelesen“, meinte Bianka.

Der ist doch echt verrückt. Der hat uns gestern beobachtet, als wir in Chieming bummeln waren“, sprach Laura aus, was ihr Sorge bereitete. Nicht der Gedanke, dass Sahra einen heimlichen Verehrer hatte, machte ihr Gedanken, sondern der, dass er ihrer Freundin nachstellte, sie beobachtete und ihr dann heimlich seit einigen Tagen diese Briefe zukommen ließ.

Was mach ich denn bloß? Der soll mich in Ruhe lassen.“ Sie ließ sich in Lauras Sessel fallen, der in ihrer Zimmerecke stand.

Das wird schon irgendwann aufhören“, wollte Bianka beschwichtigen.

Und wenn nicht?“

Dann musst du eben mehr Zeit mit Mike verbringen und ihm vorgaukeln, dass du vergeben bist.“

Sahra wurde bei Biankas Bemerkung etwas rot.

Natürlich hatte sie ihren beiden Freundinnen von dem Kuss erzählt, aber mehr war seit dem vor zwei Monaten nicht gewesen. Es war wie vorher, das Ereignis schien auf Eis gelegt.

Es sei denn, Mike entpuppt sich als dein Verehrer“, erlaubte sich Bianka zu spaßen und kassierte einen ernsten Blick ihrer rot gelockten Freundin im Sessel ein.

Die anstehende Abschlussfahrt wird dich auf andere Gedanken bringen. Wirst schon sehen, der wird das Interesse verlieren und aufhören“, meinte Laura.

Sahra erwiderte nichts, dachte bestimmt an Montag, wenn die Abschlussfahrt ihrer Klasse begann. Es war Freitag Mittag, also nicht mehr lange hin.

Die meisten wollten entweder nach Spanien ans Meer oder nach Südfrankreich. Letztendlich würden sie zelten gehen. Die Entscheidung ihrer Lehrer, die mit ihrer Klasse keine weite Fahrt eingehen würden – aus dem Grund heraus, weil man ihnen einfach nicht trauen konnte. Tja, so war das. Immer diese Verallgemeinerungen, unter denen alle zu leiden hatten – auch wenn es nur die Jungs betraf. Eben die und einige Mädchen aus ihrer Klasse – unter ihnen Sahra, Bianka und Laura – hatten sich mit dem Schicksal abgefunden und wollten das Beste daraus machen. Allerdings gab es auch noch jene wie Dixie Kerner und ihre Clique, für die Fashion und ihr Lifestyle nicht ganz in ein Zelt im Wald passen wollten. Sie hatten sich fürchterlich aufgeregt.

Nicht unser Problem – hatte sich Laura gedacht.

Die Abschlussfahrt, oder besser das Camper-Wochenende, würde das Letzte sein, das sie als Klasse zusammen tun würden. Danach trennten sich die Wege. Ein komischer Gedanke, wie Laura empfand.

Sie würde Anfang September mit ihrem Studium der Tiermedizin beginnen. Es war Anfang Juni. Laura musste sich nun entscheiden, wo sie studieren wollte, denn es waren nur noch drei Monate bis alles begann. Aber was genau? Was würde sie erwarten? Wurde es so, wie sie es sich vorstellte?

Laura hatte ein Studienplatz in Kanada ergattern können. Es war eine Alternativbewerbung gewesen, weil sie bis Dato nur Absagen bekommen hatte. Mittlerweile lagen auch schon ein paar Zusagen deutscher Unis vor, aber es reizte sie doch ungemein ein Auslandsstudium anzugehen. Das einzige, was ihr hier zu denken gab, war Benny.

Seit dem Green Valley Fest vor knapp zwei Monaten, lief es besser denn je zwischen ihnen. Nun waren sie auch offiziell zusammen. Jeder wusste es und Laura fühlte sich so gut, wenn sie mit ihm zusammen war. Er war ein guter Freund, wie ihr großer Bruder – einfach ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Sie würde ihn allerdings zurücklassen müssen, wenn sie tatsächlich nach Kanada gehen würde …

Laura zwang sich aus ihren Gedanken heraus und klopfte ihren beiden Freundinnen auf die Schultern. „Lasst uns ausreiten, dann bekommen wir alle gleich einen kühleren Kopf.“

*

Der Name?“

Benny Schafser“, antwortete er dem Mann, der seine Anmeldung zum nächsten Barrel Race Turnier entgegen nahm.

Anschrift?“

Benny gab die der Green Valley Ranch an.

Geburtsdatum?“

Der Zweiundzwanzigjährige gab sein Datum an.

Unter welcher Telefonnummer sind Sie erreichbar?“

Der junge Mann gab seine Handynummer und den Festnetzanschluss der Bunkmas an, den er auswendig kannte wie seine eigene.

Mit welchem Pferd?“

Boyly Chance.“

Rasse, Heimatstall und Alter?“

Boyly ist ein elfjähriger brauner Quarter Horse Hengst von der Green Valley Ranch.“

Sie sind schon Mitglied in unserer Vereinsgruppe?“

Benny nickte.

Dann noch Ihre Mail-Adresse, bitte?“

Auch die gab er durch.

Der Mann druckte das Anmeldeformular aus, ging mit Benny die aufzubringenden Kosten durch, die vor Start zu überweisen waren und bat ihn zu unterschreiben.

Zum Schluss rang er mit sich.

Noch was?“, fragte deshalb der Mann.

Benny nickte. „Ein weiterer Teilnehmer.“

Der Mann tippte in den Computer vor sich. „Name?“

Wieder ein kurzes Zögern von Bennys Seite. „Bianka Schafser.“ Er gab auch ihre Daten durch, wie zuvor seine eigenen.

Auf welchem Pferd?“

Auf Rush.“

Rasse, Heimatstall und Alter?“

Sie ist eine zehnjährige Appaloosa Stute vom Gutshof Schafser.“ Und auch zu dem Pferd seiner Schwester erteilte er die benötigten Daten.

Zum Schluss nickte der Mann, als er die Eingaben überflog. „Wir brauchen dann nur noch eine Unterschrift von Frau Schafser und dann ist auch ihre Anmeldung gültig. Teilnahmeschluss ist morgen.“

Daran hatte Benny nicht mehr gedacht, trotzdem nickte er.

Seine Schwester würde ihn für diese Aktion umbringen!

Ich schicke es Ihnen per Mail noch heute.“

Er stieg in seinen Pick-up, einen blaumetallic VW Amarok – sein ganzer Stolz -, und fuhr zurück auf die Ranch seiner Arbeitgeber. Er hatte Besorgungen erledigen müssen und war in der Nähe gewesen, also hatte er die Anmeldung zum nächsten Barrel Race Turnier nächsten Samstag direkt auf dem Hof erledigt, auf dem es stattfand. Normalerweise schickte er die Anmeldung nämlich online weg.

Ein Preisgeld von 1000 Euro winkte. Das ließ er sich nicht entgehen.

Die Anmeldung seiner Schwester lag auf dem Beifahrersitz.

Bianka würde ihm die Hölle heiß machen!

Er fuhr auf die Ranch und sah Bob und Becky mit dem Besitzer der eingestellten Schafherde debattieren, dem Mitte vierzigjährigen Manni Malmer.

Benny stellte seinen Wagen vor das kleine Häuschen, das er bewohnte und trottete langsam auf Lauras Eltern und Malmer zu.

Also?“, meinte Malmer und stemmte die Hände wütend in die Hüften. „Wie verbleiben wir?“

Wir werden uns natürlich darum kümmern“, meinte Bob beschwichtigend.

Wie? Ich muss wissen, ob mir noch mehr meines Viehs verloren geht oder ich die Herde doch besser wo anders einstelle.“

Benny glaubte, dass es besser war, wenn er diese Sache ausschließlich Lauras Eltern überließ. Er machte sich währenddessen daran die Sachen auszuladen, die er mitgebracht hatte.

Er sah Bob und Becky auf ihn zukommen, schloss die hintere Klappe seines Pick-ups und drehte sich ihnen zu, sagte allerdings nichts.

Becky seufzte. „Du wirst nicht glauben, was passiert ist … Dieser Malmer hat heute Nacht offensichtlich einen Teil seiner Schafe verloren. Sie wurden ihm von Wild gerissen. Die Überreste lagen noch auf seiner Weide herum. Er verlangt Schadensersatz von uns“, kam sie zum Punkt.

Ja, und das, wo wir damals noch so gnädig mit ihm waren, als er uns betrogen hat“, fügte Bob hinzu.

Er meinte, er hätte schon juristischen Rat eingeholt und wüsste somit, dass er im Recht ist mit seiner Behauptung, dass er von uns Schadensersatz erlangen kann.“

Na ja, das sind doch nur ein paar Schafe. Ist ja nicht so, dass es sich hier um einen Viehbestand von zweitausend Tieren handelt“, meinte Benny.

Richtig. Aber es geht einfach ums Prinzip. Irgendein Vieh reißt hier nachts Tiere. Wenn das so weitergeht, kommt uns das teuer zu stehen.“

Benny verstand, warum sich Becky aufregte. Er wusste von dem ständigen Auf und Ab der Finanzen der Familie, da so ein Hof einiges an Geld kostete, es aber leider nicht immer so schnell reinkam, wie es ausgegeben werden musste.

Dann würde sich hier bestimmt die Investition in Zäune mit Strom lohnen. Dadurch kommt Wild nicht mehr ans Vieh“, schlug Benny vor. „Ich sehe die Dinger ständig im Pferdemarkt, wenn ich da was holen soll. Ich kann das nächste Mal was mitbringen.“ Er sah seine Arbeitgeber an.

Wir haben ja eigentlich auch Bandito, der seinen Job als Herdenschutzhund aufnehmen kann“, meinte Bob, wobei Benny diesmal nicht ganz wusste, ob es bloß ein Witz war.

Jedenfalls müssen wir uns hier eine Lösung einfallen lassen.“ Becky seufzte über dieses neue Problem.

Becky kümmerte sich um das Mittagessen, das auf der Terrasse des großen Wohnhauses hergerichtet wurde, während Benny und Bob in der Zwischenzeit online und in Zeitungen nach Schafen schauten, die verkauft wurden – schließlich schuldete die Ranch Malmer zwei Schafe.

Die Sonne schien draußen am Tisch beim Mittagessen heftig an diesem Junitag auf sie nieder.

Sahra und Bianka aßen ebenfalls mit. Sie waren mittags gemeinsam ausgeritten und hatten erst später von dem Wildvorfall gehört. Natürlich gab es am Tisch kein anderes Gesprächsthema.

Ob das Crash war?“, fragte Bianka ihren Bruder.

Quatsch!“, nahm er den Wolf gleich in Schutz. „Er ist schon weit über ein Jahr hier im Chiemgau und hat noch nie auf Green Valley gerissen, warum soll er jetzt plötzlich damit anfangen?“

Seine Schwester zuckte mit den Schultern.

Es war bestimmt ein Wildschwein oder so“, tat es Benny ab.

Ja, schon“, meinte Bianka nicht gänzlich überzeugt.

Benny hat recht, das kam vorher ja auch nie vor. Das war bestimmt nur einmalig.“ Robin nahm einen Bissen.

Möglich. Aber de Facto ist es meist so, dass Wild, wenn es weiß, wo es etwas zu Essen bekommt, wiederkommt“, klärte Becky auf.

Ihr meint also, dieses Tier kommt wieder?“

Bestimmt“, seufzte Becky.

Vielen Dank für das Essen, Becky.“ Bianka erhob sich. „Aber ich reite mal so langsam nach Hause, hab noch ein wenig zu tun.“

Gern.“

Benny schaute ihr nach. Irgendwas war da doch noch …

Er sprang auf, als sie aus der Tür war. „Bin gleich wieder da.“ Er warf die Tür hinter sich ins Schloss, hörte dahinter noch Bobs Stimme:

Die ist definitiv zu.“

Ach, Bianka?“

Sie wandte sich um.

Ich …“ Seufzend fuhr er sich durch die Haare. „Da ist noch etwas, das ich dir gestehen muss.“

Ach ja?“

Er nickte, ging zu seinem Auto und nahm auf dem Beifahrersitz Biankas Anmeldung zum Barrel Race Turnier heraus, welche er ihr ohne weitere Worte gab.

Sie überflog es, sah Benny an, runzelte bloß die Stirn, mehr nicht.

Und?“

Und, was? Was soll ich dazu sagen? Du hast mich hinterrücks einfach zu einem Turnier angemeldet. Warum? Du weißt doch, dass ich auf kein Turnier mehr gehe!“

Sie war sauer auf ihn – wie er schon vermutet hatte.

Theoretisch gesehen bist du noch nicht angemeldet. Du musst die Anmeldung noch unterschreiben und den Veranstaltern mailen. Am besten noch heute, denn ..“

Aber praktisch gesehen werde ich hieran nicht teilnehmen.“ Sie knüllte die Anmeldung zusammen. „Vergiss es!“ Sie warf es ihm entgegen und machte auf dem Absatz kehrt, um auf Rush den Hof zu verlassen.

Ich reite auch und dachte es wäre toll, wenn wir zusammen dran teilnehmen würden, Bianka“, rief er ihr nach.

Sie antwortete ihm nicht mehr.

Ach, so ein Mist aber auch“, murmelte er vor sich hin.

*


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Freunden des Taschenbuchs muss ich leider gestehen, dass es derzeit technische Schwierigkeiten gibt und ich mich offensichtlich neu orientieren muss. Sobald es verfügbar ist, gebe ich natürlich Bescheid.

Ich wünsche euch ein schönes Jahresende und ruhige Feiertage!

Liebe Grüße,

eure LINDA ANN

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