Dunkle Geheimnisse (16): Auszug 2

PicsArt_11-01-11.25.39Ich möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

*

*

Benny ritt durch den Wald.

Es tat ihm wirklich gut zurück zu sein. Er hatte sich eigentlich wieder weitgehend auf Green Valley eingelebt.

Er ritt so ziemlich jeden Tag mit seinem Quarter Horse Hengst Boyly Chance aus, mit dem er auch das Barrel Race Training aufgenommen hatte und sich erst neulich nach den aktuellen Turnieren umgesehen hatte. Die vermisste er nämlich wahnsinnig.

Es war heute ein wunderschöner Tag und so nutzte er seine Pause, indem er seinen Hengst gesattelt hat und die warmen Sonnenstrahlen genoss.

Boyly Chance ging es mittlerweile auch besser, was Benny beruhigte. Das Training und die Zweisamkeit mit ihm halfen dem Tier sichtlich.

Wenn er daran dachte, dass er bis heute Abend das kleine Ferienhaus geräumt haben musste, in denen er die letzten Wochen gewohnt hatte, und bei Robin vorübergehend einziehen musste, wurde ihm ganz anders.

Nicht wirklich gegen Robin, aber der knapp neunzehn Jahre alte Knacker hatte Bennys Sympathie für ihn angekratzt, seit er ihm gesagt hat, dass zwischen Robin und Laura anscheinend was lief. War es Eifersucht? – Gut möglich. Wollte er das aber zugeben? – Auf keinen Fall!

Er hatte sich zurückgehalten, wollte nicht aufdringlich erscheinen und auch Laura machte keinen weiteren Schritte auf ihn zu, wenn er sich auch eingestehen musste, dass das Mädchen auch nicht wirklich viel anders mit Robin umsprang.

So langsam zweifelte er ein wenig an Robins Aussage und glaubte immer mehr daran, dass er Laura selbst mal darauf ansprechen sollte. Fragen durfte man ja.

Benny nahm seinen Cowboyhut ab, den er so ziemlich den ganzen Tag draußen bei der Hofarbeit trug und fuhr sich durch die klammen Haare. Die Sonne besaß schon enorm viel Kraft, wie er nun merkte.

Der junge Mann setzte seinen Hut wieder auf, hielt seinen braunen Hengst an und knöpfte sich sein kariertes Baumwollhemd auf, worunter er noch ein weißes T-Shirt trug, das ihm bei diesen Temperaturen definitiv genügte. Sein Hemd wickelte er um den Sattelknauf und trieb sein Pferd wieder an.

Super, Rush“, hörte er plötzlich eine Stimme, die ihm mehr als vertraut war.

Benny stoppte und horchte.

Schnauben. Aufwirbelnde Blätter oder Laub. Und die Stimme seiner Schwester, die er deutlich hier im Wald vernahm.

Behutsam näherte er sich dem Geräusch, wollte Bianka nicht erschrecken, aber wissen, was sie tat.

Er schritt gemächlich über einen sanften Hügel und hielt schmunzelnd Boyly an, lehnte sich interessiert zuschauend nach vorn, mit dem Oberarm auf den Sattelknauf und sah seiner Schwester bei dem zu, was sie machte.

Es war nicht schwer zu erraten – für Benny schon gar nicht. Und nach einigen Galoppsprüngen war klar, dass er mit seiner Vermutung Recht behielt.

Das war klasse, Rush. Du bist einfach die Beste.“

Benny schüttelte amüsiert den Kopf und fuhr seinem Braunen über den Hals. „Das meint sie nur, weil wir beide nicht in der Nähe sind“, wisperte er seinem tierischen Freund zu ohne dass seine Schwester ihn bemerkte.

Bianka beendete die Runde, schritt gemächlich wieder zurück an ihren imaginären Start und lobte ihre Appaloosastute ausgiebig.

Na komm, Junge“, meinte Benny leise und brachte Boyly in Bewegung, trabte den kleinen Hügel hinunter auf seine Schwester zu, die ihn noch immer nicht kommen sah.

Wirklich schade um dein Talent“, machte er sich bemerkbar.

Bianka wirbelte im Sattel herum, erschreckte sich mehr davor, dass ihr Bruder sie beim Barrel Race Training erwischt hatte, als sie sich freute ihm hier zu begegnen.

Sie strich sich eine der aus ihrem Zopf gelösten Strähnen hinters Ohr, um Zeit zu gewinnen. „Was genau meinst du?“

Er kam vor seiner Schwester zum Stehen. „Das weißt du genau.“ Benny deutete auf die Fläche, die sie vorher noch als provisorischen Parcours genutzt hatte.

Ja. Das“, meinte sie nur lahm.

Hm“, machte Benny. „Du trainierst also weiterhin?“

Ich hab es wieder aufgenommen, ja.“

Und du willst sicher nicht mehr auf Turniere gehen?“

Bianka schüttelte den Kopf.

Dein Talent ist herausragend, Bianka. Das wäre eine wirkliche Verschwendung. Und das sage ich eben nicht nur, weil du meine Schwester bist.“

Wieder schüttelte das Mädchen nur beharrlich den Kopf. „Wie viel Verschwendung von Talent das war, habe ich auf meinem ersten Turnier gesehen. Es war eine erstklassige peinliche Aufführung.“

Benny zuckte mit den Schultern, hatte damals im Nachhinein den Ritt seiner Schwester online angesehen. „Und weiter? Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Er musterte sie.

Bianka erwiderte nichts.

Man sagt doch, wenn man den ersten Durchlauf verpatzt, boomt die spätere Kariere umso mehr.“

Bianka legte den Kopf schief, schüttelte ihn dabei leicht. „Nein. Ich lege keinen gesteigerten Wert auf irgendeine Karriere. Ich will nur meine Ruhe vom Turnierleben und einige Durchläufe zum Spaß machen.“

Und warum dann hier? Heimlich. Und niemandem verrätst du davon. Noch nicht einmal mir.“

Unsicher schaute sich Bianka um. „Eben deshalb. Ich will keine Fragen, ich will mich nicht rechtfertigen und will doch nur hin und wieder ein paar Durchläufe machen, um …“

… in Form zu bleiben?“ Benny hob eine Augenbraue. „Um in Form zu bleiben, musst du aber nicht regelmäßig trainieren. Das macht man eigentlich nur, wenn man ernstere Absichten verfolgt.“

Bianka schaute ihren Bruder aufmerksam an. „Sagst du es jemandem?“

Er runzelte die Stirn, stellte sich ahnungslos. „Wovon denn?“

Sie lächelte ihn an. „Danke.“

Benny spielte weiter den Ahnungslosen. „Wofür denn?“

Okay, du kannst jetzt damit aufhören.“ Sie setzte Rush in Bewegung, ritt in Richtung Green Valley an.

Womit denn?“, machte Benny weiter, um seine Schwester zum Lachen zu bringen und folgte ihr.

Ach, Benny“, seufzte Bianka schmunzelnd. „Das hab ich vermisst.“ Sie sah ihn an.

Was denn?“

Diese Zweisamkeit. Das Lachen und Herumalbern mit dir.“

Benny streckte die Hand nach seiner Schwester aus. „Mir auch, Schwesterchen.“ Und damit meinte er jedes Wort vollkommen im Ernst.

Ich hab dich lieb.“

Und ich dich, Bianka.“

*


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