AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN (14): XXL-Auszug 1

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Quelle: pixabay.com

Nach Band 13 erfahrt ihr heute, wie es in Band 14 AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN weitergeht …

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

*

1

Er schaute aus dem Fenster. Er war gespannt was auf ihn zukommen würde.

*

Laura pfefferte ihre Schultasche mit Elan in ihre Zimmerecke.

Yeah! Eine Woche Ferien.

Es war der vorletzte Tag im Oktober, Freitag um genau zu sein. Von nun an hatte Laura eine Woche Zeit, um Abstand von der Schule und dem ganzen derzeitigen Stress zu gewinnen. Zeit, die sie gut nutzen würde. Es war Freizeit mit ihren Freunden geplant, Tageseinsätze mit dem Chieminger Landtierarzt Friedhelm Sreichinger, um ihre praktischen Erfahrungen als Tierärztin zu ergänzen und das aktive Mithelfen auf der Ranch, da kommende Woche auf Green Valley wieder einiges los sein sollte. Es stand mal wieder Reiterfreizeit an, viele Kinder, eine Menge Arbeit und kaum Ruhe – für ihre Eltern anscheinend kein Problem. Sollte und ist es für das Mädchen eigentlich auch nicht, vor allem, weil sie davon kaum persönlich betroffen war, aber das war ihre einzige Ferienwoche und der Gedanke auf Green Valley kaum eine stille Minute zu haben belastete sie vielleicht ein klein wenig, aber auch das würde sie in den Griff bekommen und überstehen.

Morgen früh kamen die ersten Kinder an. Heute hatte Laura die Ranch also noch für sich – wenn man das bei Anwesenheit ihrer Eltern und Robin, dem Hofarbeiter, so nennen konnte. Aber das war ihre Familie und somit nicht der Rede wert.

Seufzend ließ sie sich im Sessel ihres Zimmers nieder und bemühte sich gleichmäßig und tief zu atmen. Es half. Sie bekam einen kühlen Kopf und der Stress fiel augenblicklich von ihren Schultern.

Dann fiel ihr Blick auf ihre Schultasche in der Ecke und ein Teil davon kehrte zurück. Viele Arbeiten, enorm viel Lernen also – auch in den Ferien – und ihre Abiprüfung in etwa einem halben Jahr. Allein bei dem Gedanken drehte sich ihr der Magen komplett um. Prüfungsangst.

Laura hatte panische Angst es zu vermasseln und im Anschluss planlos dazustehen. Denn ihr derzeitiges Ziel beruhte allein auf dem Gedanken der bestandenen Prüfung und ihres anschließenden Studiums der Tiermedizin.

Sie rappelte sich schwerfällig aus dem Sessel auf und ging auf ihre Schultasche zu, kniete sich nieder und zog den Reißverschluss auf. Es half ja doch alles nichts.

Laura holte nacheinander die Bücher und Hefte raus, die sie zum Lernen benötigte. Eigentlich wollte sie noch heute mit dem Lernen beginnen, denn je früher sie loslegte, desto mehr tatsächlich freie Tage konnte sie noch in der Ferienwoche haben. Kam ja ohnehin hinzu, dass sie alle zwei Tage ab Montag mit Streichinger unterwegs war. Den ganzen Tag. Darauf hatte sie lange gewartet. Der etwas ältere, beliebte und erfahrene Tierarzt hatte Rücksicht auf Lauras Umstände genommen: die Sommerferien damals und nun auch das letzte Schuljahr – die dreizehnte Klasse –, sowie die anstehende Ferienwoche, immerhin verlangte er nur, dass sie alle zwei Tage mitfuhr, um ihr noch genügend Zeit zur Erholung bieten zu können. Viellicht war das auch der Vorteil, den sie besaß, weil sie den Tierarzt besser kannte beziehungsweise Streichinger Laura und ihre Familie. Er wusste von all der Arbeit und wollte Laura nicht zu sehr fordern. Das Mädchen war damit einverstanden und hatte nichts daran auszusetzen.

Geschafft vom Tag legte Laura die Hefte und Bücher aber doch nur auf ihren Schreibtisch. Sie wollte diesen Freitagnachmittag noch ausklingen lassen – und zwar nicht mit Lernen.

Sie trat ans Fenster.

Robin Heister fuhr gerade auf seiner schwarzen Yamaha YZF-R3 auf den Hof. Er hatte heute seinen freien Tag, war mit Freunden unterwegs, natürlich auf seinem sportlichen Motorrad, und kostete noch die letzten Herbsttage vor dem Winter aus, um Touren zu machen, weil er das bei klirrender Kälte, Schnee und Eis nicht mehr tat und seine Maschine daher in den Wintermonaten abmeldete und sich ein Auto zulegte, dem er sich in der Zeit widmete.

Robin war so alt wie Laura, achtzehn Jahre, hatte aber eine Vorliebe für Motorräder. Den Job auf Green Valley hatte er nur, weil sich sein Ausbildungschef als Glied einer kriminiellen Bande entpuppte und sich seine Lehre somit auflöste. Seither jobbte er auf der Ranch ihrer Eltern, wohnte in einem der beiden Nebengebäude, jenes, das vorher Benny gehörte, und kam seiner Arbeit nach, auch wenn er sich nicht, nein – eigentlich überhaupt nicht, für Pferde begeistern konnte und sich nach wie vor strikt weigerte auch nur einen Fuß in den Steigbügel zu setzen und Reiten zu lernen.

Aus Jux und Dollerei hatten sie beide ein imaginäres Punktekonto begonnen: es war derzeit ausgeglichen. Aber auch wenn Laura deutlichen Vorsprung und damit gewonnen hätte, würde Robin nicht Reiten lernen, daher auch bloß ein Punktstand aus Jux und Dollerei – einfach, weil sie beide sich damit so gern aufzogen.

Ihr Blick glitt weiter, auf die Weide, auf der die Pferde standen. Eins trank, es war Sun, zwei standen nur herum, ihre Fuchsstute Button und der gelassene Amigo, und die restlichen, bis auf zwei, grasten in einvernehmlicher Ruhe. Bei den beiden ausstehenden handelte es sich um niemand anderen als Rocky Star, Buttons Fohlen und somit jenes von Laura, und Brownis Goal, die Quarter Horse Stute ihres Vaters, Bob Bunkma.

Ihr Mutter, Becky, kam aus dem Stall, war mit Sicherheit in der Sattelkammer und im Schlepptau hatte sie den Junghund Bandito, Lauras Border Collie, der immer mit dabei war, egal wer sich bewegte oder wohin – er war definitiv dabei.

Robin ließ sein Motorrad ausrollen, stellte es ab und schaute sich kurz auf dem Hof um, dann kam er aufs Haupthaus zu.

Lauras Mutter hatte noch nicht gekocht, vielleicht kam er ins Haus, um genau das feststellen zu müssen.

Laura!”

Das Mädchen wurde aus der Ruhe geholt, die sie eingenommen hatte, als sich Robin mal wieder laut Zutritt ins Haus verschaffte und nach ihr rief.

Sie seufzte, wandte sich vom Fenster ab und hörte schon die Treppen im Flur. Sie kam gerade an ihrer Zimmertür an, als diese schwungvoll von Robin aufgerissen wurde.

Da bist du ja.”

Jepp, bin vor etwa zehn Minuten nach Hause gekommen.”

Du hast doch jetzt Ferien, nicht?”

Laura nickte.

Hast du Zeit und Lust was zu machen?”

Laura runzelte überrascht die Stirn, lehnte sich ansatzweise gegen den Rahmen ihrer Tür. Das hatte Robin sie noch nicht so direkt gefragt. Sie arbeiteten hin und wieder auf dem Hof zusammen, hatten auch schon dies und jenes gemeinsam erledigen müssen, aber sich direkt zusammen mit Freizeit beschäftigt hatten sie noch nicht.

Woran hattest du denn gedacht?”

Robin zuckte mit den Schultern. “Nach Chieming oder Traunstein und mal schauen, was man so machen kann. Worauf hättest du denn Lust?”

Laura dachte nach, dann schmunzelte sie. “Auf einen Ausritt. Das können wir doch zusammen machen.”

Er hob eine Augenbraue. “Willst du mich auf den Arm nehmen?”

Ganz und gar nicht. Was ist jetzt?”

Robin schüttelte den Kopf. “Weißt doch, dass ich nicht reite.”

Kann man ja ändern.”

Fängt das wieder an?”

Nur, weil du gefragt hast.”

Ja, ob du Lust hast was mit mir zu machen, gerade jetzt wo du ja auch Ferien hast.”

Laura seufzte. “Also heute nicht. Ich bin irgendwie so müde, ich schätze ich werde heute früh ins Bett gehen. Wann anders vielleicht?”

Vielleicht?” Das Wort schien ihm irgendwie auszustoßen.

Sie wartete ab.

Dann zuckte er mit den Schultern. “In Ordnung.”

Er drehte sich um und Laura wollte gerade den Türgriff nehmen, um die Tür anzulehnen, als sich Robin nochmal umdrehte.

Du willst nichts mit mir machen, oder?”

Sie runzelte die Stirn. “Wie kommst du darauf?”

Robin zuckte nachdenklich die Schultern. “Wir haben bislang noch nichts zuammen gemacht, und da frage ich dich mal und du meinst vielleicht können wir die Tage mal was machen.”

Laura nickte nachvollziehend. Hatte sie es doch gewusst, das Wort kam komisch bei ihm an. “Ich meinte damit ja nicht, dass ich das gar nicht will …”

Aber ungern”, unterbrach er sie.

Sie war irritiert von der Schlussfolgerung. “Äh … nein, ich …”

Robin schaute ihr einige Sekunden dabei zu, wie sie nach Worten rang und suchte und sie anscheinend doch nicht fand. “Sind wir eigentlich Freunde?”, fragte er dann einfach.

Das versunsichrte Laura noch mehr. “Ja. Das dachte ich zumindest bevor du mich das gefragt hast.” Sie verstand nicht ganz was heute mit Robin los war. Er war weder schlagfertig noch so humorvoll und schräg wie sonst.

Das hab ich bislang eigentlich auch gedacht, aber Freunde unternehmen doch auch mal hin und wieder was zusammen, oder nicht? So wie du, Sahra und Bianka, ihr macht doch ständig was.”

Du kannst ja gern mal mitkommen, wenn es das ist.”

Er schüttelte den Kopf. “Das ist es ja gar nicht.”

Sondern?”

Er musterte sie abschätzend. Oder nachdenklich? Das konnte Laura nicht so ganz differenzieren. “Ich wollte einfach mal was mit dir gemacht haben.”

Können wir ja machen.”

Nur heute nicht”, endete Robin.

Laura nickte. “Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.”

Sicher?”

Sicher.”

Also gut.” Nur wenig ermuntert von dieser Aussage drehte er sich wieder um, wollte tatsächlich gehen.

Robin”, rief Laura ihm noch nach.

Hm?” Er wandte sich ihr zu.

Du kannst ja mal Sahra und Bianka fragen, ob sie Zeit haben.”

Er nickte nur, ging die Treppen runter.

Laura merkte ganz deutlich, dass ihm der Vorschlag nicht so gut gefiel. Sie konnte ja nachvollziehen, dass er von den drei Mädchen den besten Draht zu ihr hatte – ganz einfach, weil sie quasi nebeneinander wohnten und jeden Tag miteinander zu tun hatten -, aber auch mit Sahra verstand er sich gut, mit Bianka auch, aber mit ihr hatte er noch nicht allzu oft zu tun gehabt.

Trotz dem Gedanken, der sich gerade bei ihr einnistete, was Robins Beweggrund anging, ausgerechnet mit ihr etwas machen zu wollen, wollte sie ihn nicht zulassen. Es konnte ja auch ganz andere Gründe geben – außerdem wollte sie ihn nicht allzu nah an sich heran lassen. Das hatte sie einmal getan – und sie bereute es noch immer …

Kurzerhand schnappte sie sich ihr Handy, tippte auf den Chatkontakt von Sahra und hielt inne.

Das konnte sie nicht tun. Oder doch? Sollte sie von ihrem Gespräch mit Robin berichten, und wie er reagierte?

Laura legte es seufzend wieder weg. Das war dämlich. Warum sollte sie das Sahra sagen?

Trotzdem war sie bedrückt, wusste nicht genau was es war was sie nun in den letzten Minuten derart runtergezogen hatte, aber sie hatte das strenge Bedürfnis mit jemandem darüber reden zu müsen. Über alles. Alles was ihr gerade im Kopf herumschwirrte, worüber sie sich Gedanken machte, und Sorgen.

Dann nahm sie doch wieder das Handy auf, tippte kopflos einfach die Nachricht und drückte auf den Senden-Button ehe sie nochmal nachdenken und es doch lassen konnte.

Ich fühl mich gerade irgendwie komisch.

Sie legte das Handy neben sich, schaute darauf und machte sich nun doch Gedanken, aber die Nachricht konnte sie nicht mehr zurückholen.

Etwa zwei Minuten später, die sie in Gedanken nachhängend auf ihrem Bett saß, kam die Antwort:

Warum? Was machst du denn?

Laura begann seufzend zu tippen.

Weiß nicht genau. Robin war vorhin hier und wollte was machen, aber ich hatte keine Lust und das hat er mir glaube ich übel genommen. Er war so komisch. Vielleicht ist es das. Oder es sind die anstehenden Tage, das viele Lernen und die Aussicht auf eine vielseitige Woche.

Und was machst du?

Die Frage, was Laura tat, überging sie absichtlich, da Herumsitzen und Luftverbrauchen nicht wirklich eine Tätigkeit darstellte.

Sie legte das Mobiltelefon auf ihren Nachttisch und legte sich zurück, faltete die Hände auf dem Bauch und starrte zur Decke hoch.

Während sie noch in Gedanken war, piepste ihr Gerät. Sie reagierte nicht darauf, weil sie noch ihren Gedanken nachhing.

Sie dachte an Benny. So intensiv und schmerzlich wie jetzt hatte sie es schon ewig nicht mehr getan. Laura hatte es geschafft ihn nur noch oberflächlich im Kopf zu behalten, aber nun traf sie eine ganze Wucht an verschiedenen Emotionen, die sie nicht einordnen konnte, welche demgemäß ihren Kopf durcheinander brachten und sie selbst überforderten.

Benny war mittlerweile seit über sieben Monaten spurlos verschwunden. Damit kam sie anscheinend noch immer nicht ganz klar.

Sie hievte sich blitzartig auf, unterbrach ihren Gedankengang damit abrupt und schnappte sich ihr Handy, las Sahras Antwort, die vor mittlerweile zehn Minuten ankam:

Warum hat er dir das übel genommen? Und warum war er komisch?

Ja, kann schon sein, dass es daran liegt. Sonst alles okay?

Ich bereite mich auf den Kurs übernächstes Wochenende vor. Hab vorhin noch eine Bestätigungsmail von der Leiterin bekommen. Also scheint alles zu klappen 🙂

Und was machst du heute noch? Können ja einen Fersehabend einrichten, um dich auf andere Gedanken zu bringen.

Laura starrte auf den Text. Wie stand sie denn dann da, wenn sie Robin absagte und dann doch was mit Sahra machte?

Sie warf sich seufzend auf ihr Bett. Warum war plötzlich alles so kompliziert?

*

Wie geht’s weiter?

Der Band ist momentan ja im Korrektorat, der Nachfolger, Band 15 DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY, ist schon fertig geschrieben und die Halbzeit von Band 16 ist auch schon überschritten – es läuft also recht gut 😉 Diese Woche war ich etwas nachlässig, da mein Arbeitsplatz einen neuen Anstrich bekommen hat. Damit lässt es sich ab nächste Woche bestimmt gleich viel schneller schreiben – mal schauen 🙂

Voraussichtlich erscheint am Samstag den 27. Mai der neue Blogartikel, der den zweiten Textauszug parat haben wird.

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