IM SCHATTEN DES HASSES (13): XXL Textauszug 2

PicsArt_1490264808834.jpg

Green Valleys 13. Abenteuer IM SCHATTEN DES HASSES ist seit 26.03. als E-Book und Taschenbuch bei Amazon erhältlich.

Heute habe ich für euch den Abschluss des ersten Kapitels 🙂

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

***

„Musst du weg?“, fragte Bob.

Laura lächelte glücklich, konnte die Sache wegen der Klage tatsächlich ein wenig in den Hintergrund verdrängen. „Das war der Doc. Mein erster Fall zu dem ich mit darf. Ich muss weg.“

„Wohin?“

„Das erkläre ich euch später. Ist echt dringend. Bis nachher.“ Sie kramte ihre Sachen zusammen und schoss aus dem Haus.

Dort parkte nämlich ihr freundlich dreinblickender roter VW Lupo. Sie startete den Motor und fuhr vom Hof. Sie schlug den Weg zum Heuberger Hof ein, der von ihr etwa zwanzig Minuten entfernt lag.

Das Autofahren machte ihr noch so viel Spaß wie zu Anfang. Endlich erwachsen, endlich ein eigenes Auto. Sie durfte fahren wann sie wollte.

Besonders interessant fand sie, dass sie ausgerechnet einen Lupo fuhr, was aus dem italienischen übersetzt Wolf bedeutete – wobei sie sofort an Bennys Wolf Crash denken musste, den sie seit jener Nacht nicht mehr gesehen beziehungsweise gehört hatte.

Als Laura auf den Heuberger Hof fuhr, sah sie schon den Wagen von Streichinger. Ihr Herz klopfte wie verrückt, denn sie war so aufgeregt.

Sie beeilte sich in den Stall zu kommen, in dem sie alle vermutete, nicht zuletzt, weil auch Streichingers Auto davor parkte.

Hektisches Stimmengewirr donnerte ihr entgegen, das heftige Schnauben eines Pferdes und immer wieder die Anweisungen des Tierarztes.

Laura näherte sich langsam. Der Doc hatte am Telefon davon gesprochen, dass es Probleme bei der Geburt des Fohlens gab.

Die offenkundige Besitzerin des Pferdes stand mit der Hand auf den Mund gepresst vor der Box und sah dem Tierarzt bei dem Bestreben zu die Stute zu beruhigen und ihr bei der Geburt zu helfen.

Laura erfasste die Situation recht schnell, überblickte was Streichinger tat.

„Laura, du musst mir helfen sie zu beruhigen. Das Kleine steckt fest und bekommt keine Luft, aber wenn Oxidia nicht aufhört und mich nicht arbeiten lässt …“

Er musste nicht weitersprechen, Laura hatte auch so verstanden.

Blitzschnell kam sie in die Box, in der die Stute mit dem Namen Oxidia lag und nicht nur triefte vor Schweiß, sondern auch aufgeregt und voller Schmerzen schnaubte. Sie wollte den Tierarzt partout nicht an sich heranlassen, trat nach ihm, versuchte sogar zu schnappen und bewegte sich ständig.

Bestimmt sollte ihre Besitzerin die Box verlassen, damit sie nicht verletzt wurde.

Laura kam von hinten an Oxidia heran, erinnerte sich kurz daran, wie Buttons Geburt verlief, die überhaupt nicht wie diese ausfiel und sprach beruhigend leise auf das Pferd ein. Sie nahm den Kopf des Tieres und drückte ihn sanft nieder zu Boden, damit sie sich entspannte und der Tierarzt endlich dem Fohlen helfen konnte.

Ganz wollte sie ihren Kampf noch nicht aufgeben, ob aus dem inneren Instinkt heraus ihr ungeborenes Fohlen vor diesen Menschen zu schützen, oder weil sie so heftige Schmerzen litt, die ihr den Verstand vernebelten und sie Angst hatte, dass es noch schlimmer wurde, wenn sie jemand anfasste.

„Schmerzmittel habe ich ihr kurz vor deinem Eintreffen verabreicht, aber es wirkt noch nicht. Darauf müssten wir noch warten, aber bis dahin kann es schon zu spät sein. Ich muss jetzt was tun.“ Der Doc war ein alter Hase in seinem Beruf, ließ sich durch Druck und Stress nicht aus der Ruhe bringen und behielt einen klaren Kopf, um für alles gewappnet zu sein.

Lauras Beruhigungsstrategie zeigte erste Wirkungen, die der Tierarzt direkt nutzen wollte, weshalb er sich an die Arbeit machte, um das Fohlen rauszuholen, welches noch immer im Geburtskanal festhing.

Oxidia wieherte schmerzhaft und hob ruckartig den Kopf, schnellte vor und wollte wieder den Doc beißen, doch diesmal konnte Laura, die noch immer hinter ihr im Stroh saß, ihren Kopf festhalten und das Tun verhindern.

Streichinger konnte weiter vorgehen. Seine Stirn war nass vor Schweiß, sein Gesicht wies rote Flecken auf.

Laura hatte mittlerweile alle Mühe die Stute daran zu hindern Streichinger zu zerfleischen. Sie wollte ihn mit allen Mitteln davon abhalten, ihr oder dem Fohlen zu nahe zu treten.

„Halt sie bloß gut fest“, brachte der Tierarzt mit zusammengekniffenen Zähnen hervor.

Das Mädchen hielt Oxidia weiterhin fest und sah dem Tierarzt zu, wie er nach und nach einen Körper hervorholte.

Die Stute bäumte sich vor Schmerzen auf, schnaubte ständig und legte den Kopf zurück, als das Fohlen komplett geborgen worden war.

Mit einem Mal wurde es ruhig im Stall. Nur der gleichmäßig werdende Atem der Mutterstute war zu vernehmen.

Eine gewaltige Druckwelle fiel von Lauras Schultern. Oxidia hatte ihren Kampf aufgegeben. Das Fohlen war da.

Doch bei weiterem Beäugen des Vorgehens des Tierarztes wurde ihr schnell klar, dass es eine schlechte Nachricht gab.

„Was ist?“ Oxidias Besitzerin trat nah an die Box und schaute mit vor Schreck geweiteten Augen hinein.

Der Tierarzt sah auf, blickte zuerst Laura, dann die Frau an. Er kniete vor dem Fohlen, nun eine Hand auf das Knie gestützt und senkte zerknirscht den Kopf, schüttelte den Kopf. „Es ist tot.“

„Dann reanimieren Sie es!“, befahl die Besitzerin aufgeregt und konnte nicht still stehen bleiben.

„Das habe ich versucht, aber das Fohlen ist schon im Geburtskanal gestorben.“

„Und Sie können nichts mehr machen? Das gibt es doch nicht!“, fuhr die Frau auf.

Laura wusste, auch wenn es anders rüberkam, dass die Frau nicht böse war. Sie war einfach nur aufgekratzt, nervös, wollte nicht wahrhaben, dass das Fohlen, auf das sie sich nun beinahe ein ganzes Jahr vorbereitet und eingestellt hatte, einfach tot sein sollte.

Und Laura konnte es verstehen. Ihr wäre es nicht anders gegangen, wenn Rocky bei seiner Geburt etwas zugestoßen wäre.

Die Frau drehte sich um, schluchzte.

Laura sah ihr nach, wäre gern aufgestanden, um sie zu trösten, aber sie musste sich um Oxidia kümmern, denn Streichinger untersuchte die Stute, damit sie selbst keine Verletzungen erlitten hat, zudem musste er warten bis die vollständige Nachgeburt ausgesondert war.

Das Mädchen sah all dem zu. Das tote Fohlen, schwarz war es, lag nass und mit seiner Eihülle im Heu, bewegungslos.

Laura wandte den Blick ab, sie konnte diese Ungerechtigkeit nicht ertragen. Es hatte noch nicht einmal die Chance gehabt, seine Mutter zu sehen, oder überhaupt lebend das Licht der Welt zu erblicken. Es war einfach so schrecklich unfair.

Doch da waren noch offene Fragen, die sie nur von einem Tierarzt beantwortet bekommen würde. „Wie konnte das Fohlen einfach im Geburtskanal stecken bleiben?“

Doc Streichinger seufzte, begutachtete die vollständige Nachgeburt und strich Oxidia über das Fell. „Das Fohlen war im Vergleich zu Oxidias Becken einfach zu groß, dort ist es stecken geblieben.“

„Hatte es keine Chance?“ Sie wollte dem Tierarzt keine Vorwürfe machen, auch wenn sie im Nachhinein dachte, dass es sich genau danach anhörte.

Er schüttelte den Kopf, hatte sich sichtlich schon selbst mit der Frage beschäftigt was er hätte besser oder schneller machen müssen, um dem Kleinen doch noch lebend auf die Welt zu verhelfen. „Es gab wegen Oxidias Becken nur drei Möglichkeiten: Die erste …“ Er sah zu dem kleinen Fohlen, das mit dem Rücken zu ihnen gewandt lag.

Laura verstand ganz deutlich.

„Die zweite wäre gewesen, dass die Nabelschnur vorzeitig gerissen wäre und die dritte, dass …“ Sein Blick ging grübelnd ins Leere. Er fuhr sich durchs Gesicht, wusch sich über die schweißnasse Stirn. „… man hätte schnell genug etwas tun können, aber … das war nicht möglich. Oxidia hat mich nicht an sich herangelassen.“

Laura wusste es, war dabei gewesen und musste es mit ansehen.

„Gleichzeitig ist das Medikament, das ihr ihr injizierte, kein Wundermittel. Es wirkt nicht binnen Minuten. Und … genau diese Zeit ist uns verloren gegangen – dem Fohlen“, korrigierte er sich und erhob sich. Er sah zu der Frau, die noch immer mit dem Rücken zu ihnen gewandt stand und schluchzte. „Es tut mir schrecklich leid.“

Sie hob die Hand, wollte nichts mehr darüber hören.

Der Tierarzt sah zu der Stute. „Oxidia geht es gut“, meinte er dann noch. Er schaute unsicher zu der Besitzerin. „Ich werde mich um den Abtransport von …“ Er konnte es nicht noch einmal aussprechen. „Ich werde mich darum kümmern.“ Damit verließ er die Box, überblickte Laura und Oxidia. „Lass sie Abschied von ihrem … Fohlen nehmen. Das ist wichtig, um abschließen zu können. Sie muss es riechen … und spüren, dass ihrem … Baby nicht mehr zu helfen ist.“ Er senkte den Blick, ging aus dem Stall.

Laura strich dem Pferd über den Kopf, wollte der Aufforderung nachkommen und erreichen, dass Oxidia zu ihrem Fohlen ging. Doch die Stute hielt sich von ihm fern. Das Mädchen konnte nicht noch näher an das Fohlen herangehen, denn sie spürte und wusste, dass es tot war, konnte sich ihm einfach nicht nähern.

Sie stand auf, bewegte sich rückwärts auf die Boxentür zu und verschwand auf die Stallgasse, in der noch Oxidias Besitzerin stand, mit dem Rücken zu Stute und Fohlen gewandt.

Das Pferd hob den Kopf, jetzt wo Laura nicht mehr hinter ihr saß und ihr beruhigend über das Fell strich. Sie erblickte das schwarze Kleine im Stroh, schnaubte ihm entgegen, als würde es eine Antwort erwarten.

Laura seufzte. Der Anblick tat ihr in der Seele weh. Und genau in diesem Augenblick wurde ihr bewusst, dass der Beruf des Tierarztes nicht nur schön war, sondern auch seine Schattenseiten besaß. Natürlich wusste Laura dies, hatte es aber in ihrem Enthusiasmus Tierärztin zu werden verdrängt. Nun kam es ganz klar an die Oberfläche.

Sie überlegte mit welchen Schuldgefühlen sich der Doc vielleicht plagte. Gab er sich die Schuld, oder war er so erfahren und sich bewusst, dass er alles in seiner Macht stehende getan hatte, es aber nicht immer gut ausgehen konnte?

Oxidia schnaubte wieder in die Richtung des Fohlens, bekam keine Antwort, was sie dazu veranlasste sich schwerfällig auf ihre vier Beine zu erheben. Sie schüttelte sich kräftig, sodass Stroh und letzte Schweißperlen von ihr abfielen. Langsam lief sie auf das Kleine zu, senkte den Kopf und strich mit den Nüstern über das schwarze Fohlen.

Sie gab keine Anzeichen von sich, ob sie wusste, dass das Kleine nicht mehr lebte, sondern roch weiterhin eingehend an dem kleinen Körperchen.

Oxidias Besitzerin wandte sich um, sah, wie ihre Stute sanft ihr Fohlen liebkoste und schluchzte wieder. Tränen rannen über ihr vom Weinen rotes Gesicht und sickerten in ihr T-Shirt, das schmutzig war. Ihre Haare hatte sie sich zusammengebunden, die Hände vor dem Oberkörper verschränkt, als sei ihr kalt.

Laura sah ihr unbehaglich zu, wollte etwas sagen, was hierzu passte, bis ihr bewusst wurde, dass es so etwas nicht gab. Es passte einfach gar nichts in diese Situation.

Das Mädchen seufzte. „Immerhin ist Oxidia wohlauf. Es hätte auch sie treffen können.“

Die Frau reagierte nicht, was Laura verunsicherte. Sie wandte sich ab.

Oxidia schnaubte leise über den Körper des Fohlens und Laura glaubte, dass das ihre Art war sich von dem Kleinen zu verabschieden.

Streichingers Schritte waren auf dem Boden zu hören. Laura drehte sich ihm nicht zu, sah aus dem Augenwinkel heraus, dass auch die Frau ihn nicht anblickte.

Er sah zu, wie Oxidia vorging, verhielt sich ruhig und ließ der Stute die Zeit, die sie brauchte um loszulassen.

„Den Rest bekomme ich alleine hin, dafür brauche ich Sie nicht.“

Der Tierarzt nickte der Frau zu.

„Es kommt im Verlauf der nächsten Stunde jemand und …“

Er musste es nicht aussprechen, sie nickte schon.

„Muss ich noch was beachten, wegen Oxidia?“ Es hörte sich an, als wollte sie Streichinger das nicht fragen, musste es aber, um nicht unnötige Fehler zu begehen.

„Sie sollte vorerst viel Ruhe haben. Es war eine schwere Geburt, mit vielen Schmerzen verbunden, die mittlerweile vom Schmerzmittel verdrängt werden. Auch der Verlust von … ihrem Fohlen wird ihr psychisch ein wenig zusetzen, aber ansonsten … geht es ihr gut.“ Er schaute zu Oxidia. „Ich werde morgen nach ihr sehen.“

Die Frau nickte. „Bringen Sie dann auch gleich die Rechnung hierfür mit. Ich will es erledigt wissen.“

Streichinger sah sie an, konnte vielleicht nicht wechseln, warum sie in so einer schrecklichen Stunde ausgerechnet auf die Rechnung zu sprechen kam, doch er nickte. Der Doc packte seine Sachen zusammen, nickte Laura zu und verließ mit ihr den Stall.

„Furchtbar für so etwas auch noch Geld zu verlangen“, murmelte er ihr zu.

***

Weiterlesen? Hier für 0,99€ als E-Book downloaden!

Wenn ihr über die Erscheinung des nächsten Blogartikels benachrichtigt werden möchtet, dann könnt ihr meinen Blog gern mit Klicken des Buttons in der rechten Spalte abonnieren – ihr erhaltet dann etwa 1-2 Mal im Monat eine Mail von mir 🙂

Dieser Blogartikel erschien schon früher, als das letzte Mal von mir angekündigt, da es mit der Veröffentlichung des Bandes schneller klappte als geplant. Passend hierzu veranstalte ich auf Facebook momentan wieder ein Gewinnspiel: Gewinne hier ein signiertes Taschenbuch von IM SCHATTEN DES HASSES!

Der nächste Artikel erscheint am 15. April in der Kategorie “Buchhintergründe”.

ERSCHEINUNG des nächsten Bandes AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN, 14: Mai/Juni 2017

Benachrichtigung am Veröffentlichungstag und sichern des Einführungspreises? Meldet Euch zu meinem Newsletter an.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s