DER WANDERRITT (12): XXL Textauszug 6

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Quelle: pixabay.com

Nachdem Bob den kleinen Border-Welpen Bandito im letzten Ausschnitt aus dem Haus verwies, geht es heute damit weiter. Allerdings anders wie sonst, wird es heute ein etwas längerer Auszug werden, um genau zu sein das letzte Stück des kompletten ersten Kapitels, das somit auf meinem Blog online ist.

Zu den Auszügen wird es ebenfalls eine Änderung geben: Da ich gemerkt habe, dass die Leserquote der einzelnen wöchentlichen Auszüge zurückgegangen ist, habe ich mich dazu entschlossen, etwa ein oder zweimal im Monat wieder hier für euch zu posten, damit es nicht zu viel wird. Wie gehabt wird es Ausschnitte aus meinem aktuellen Projekt geben, allerdings nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch alle 3-4 Wochen dafür aber längere – sogenannte XXL Auszüge 😉 Natürlich gibt es auch weiterhin die Artikel außerhalb der Reihe.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen und es sich hier um den unkorrigierten Text handelt!

***

„Bring ihn nachts in den Stall, schau aber, dass nichts herumliegt, was er kaputt machen könnte. Es ist warm, vielleicht hat er sich seine Zerstörungswut bis zum Winter abgewöhnt, dann können wir über die ganze Sache nochmal reden. Tagsüber darf er auf dem Hof rumlaufen, wie gehabt.“

Laura blieb angewurzelt stehen, sah ihren Vater noch immer an.

„Hast du mich verstanden?“

Sie nickte, nahm ihren Border Collie am Halsband und brachte ihn hinaus.

Diesmal war ihr Vater aber richtig wütend. So außer sich erlebte sie ihn nicht sehr oft. Und natürlich konnte Laura es einerseits nachvollziehen, aber Bandito deswegen gleich in den Stall zu verbannen?

Laura war ratlos. Wie konnte sie diesem Frechdachs denn nur Manieren beibringen? Vielleicht sollte sie doch mal eine Hundeschule aufsuchen. Sie war zwar eigentlich der Meinung, dass sie es allein und durch die Erziehungserfahrung ihrer Eltern auch ohne hinbekam, aber mittlerweile schien es keinen Ausweg mehr zu geben.

Laura holte ihr Handy aus der Tasche und googelte nach Hundeschulen in der Nähe, checkte schnell ihren Ruf, um sich ein Bild ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen zu machen und wählte dann eine Hundeschule an. In diesem Punkt war sie nach dem Motto veranlagt: Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.

„Hundeschule Otter, Chieming, Lisa Otter?“, meldete sich eine beschäftigt klingende Stimme.

„Hallo, hier spricht Laura Bunkma. Um mein Anliegen auf den Punkt zu bringen: Ich habe einen beinahe fünf Monate alten Border Collie Welpen, der sich zwar erziehen lässt, aber eine unbändige Zerstörungswut besitzt, die einfach nicht in den Griff zu bekommen ist.“

„Ein Border Collie sagten Sie?“

„Genau.“

„Wo wohnen Sie denn?“

„Etwas abseits von Chieming, auf einem Hof. Die Green Valley Ranch, wenn Ihnen die etwas sagt.“

„Die kenne ich tatsächlich vom Hören. Border Collie besitzen sehr viel Temperament, was Ihnen anscheinend nicht entgangen ist. Ein Hof scheint mir das beste Zuhause für so eine Rasse zu sein. Immer was los und immer mit etwas beschäftigt. Haben Sie schon einmal eine Hundeschule besucht mit ihm?“

„Nein.“

„Sie interessieren sich für einen meiner Kurse, Frau Bunkma?“

„Ich möchte lediglich dieses Problem in den Griff bekommen. Ob dafür gleich ein ganzer Kurs nötig ist, weiß ich nicht.“

„Ich verstehe.“ Kurze Ruhe in der Leitung folgte. „Ich kann auch mal vorbeikommen und mir die Situation anschauen, um Ihnen da einen individuellen Trainingsvorschlag machen zu können.“

„Das hört sich gut an.“ Die Idee gefiel Laura von vornherein.

„Ich biete auch mein mobiles Training mit Hunden an, weshalb das kein Problem wäre. Wann wäre es Ihnen denn recht?“

„Wann könnten Sie denn vorbeikommen?“, fragte Laura gegen.

Sie hörte es im Hintergrund rascheln. „Ich habe gleich noch eine Trainingsstunde außerhalb, danach könnte ich vorbeikommen, wenn Sie möchten.“

„Das passt. Vielen Dank!“

„Dann also in etwa zwei Stunden auf der Green Valley Ranch. Bis dann!“

Sie legten auf, wobei Lauras Blick auf ihren Banditen fiel. „Dass du dich bloß artig verhältst, mein Lieber. Aber nicht zu übertrieben, sie soll ja schließlich sehen, wie du wirklich bist. Nicht, dass du mich vorführst.“ Sie tadelte ihn liebevoll mit Gesten. „Dann trainiere ich noch ein wenig mit Rocky. Und du bleibst hier, sonst achtet dein Freund nämlich auf nichts anderes als auf dich.“

Das Mädchen nahm aus der Sattelkammer die Doppellonge und Rockys Halfter, schloss die Stalltür vor der kleinen Hundenase und fühlte sich grottenschlecht, als sie mitansehen musste, wie verdutzt der Welpe darauf reagierte. Sie seufzte wehleidig. Doch das herzzerreißende Winseln konnte sie nicht mehr einfach ignorieren. Laura öffnete wieder die Stalltür. Bandit sah an ihr hoch. Mit seinen funkelnden Augen, ganz eindringlich, als könnten sie kein Wässerchen trüben, als seien sie das ehrlichste, unschuldigste und reinste auf der ganzen weiten Welt und könnten nicht verstehen, womit sie das nun verdienten.

Laura gab nach, nahm aus der Sattelkammer ein Strick und befestigte es an Banditos Halsband, band den Welpen an den Balken vor dem Stall, wo er alles beobachten und sehen konnte, aber nicht beim Pferdetraining störte oder ablenkte – oder beides.

Das Mädchen wusste, dass auch Sahra derzeit ein Fohlen im Training hatte. Es war die kleine Gina, Ginogas Fohlen, welches sie damals nicht angenommen hatte. Nur mit dem Unterschied, dass das schwarze Araberfohlen mittlerweile beinahe anderthalb Jahre alt war.

Und doch hatte Sahra mit ihr alle Hände voll zu tun, denn sie war, typisch Stute eben, nicht ganz so leicht zu bändigen, wie ein kompromissbereiter Rocky.

Rocky Star kannte mittlerweile die Vorgänge, war bereits sehr gut im Wiedergeben der gelernten Einheiten. So kannte er bisweilen die Kommandos an der Longe, was Laura heute mit der Doppellonge intensivieren wollte.

Das Mädchen schnalzte, gab die Hilfe mit den Longen an und beobachtete, wie brav der kleine Quarter Horse Hengst den Ansagen folgte. Artig bewegte er sich im Schritt im Round Pen. Als Laura leichten Druck an der Longe rechter Seite ausübte, machte er auch das mit und lief rechts.

Ein weiteres Schnalzen, die Hilfe durch die Longen und Rocky trabte an. Laura, ein paar Meter hinter ihm, wurde ebenfalls schneller. Diesmal gab sie auf der linken Seite Druck. Auch hier folgte er.

Wieder Schnalzen und die Hilfe und Rocky wechselte in den Galopp, tobte im Round Pen umher. So ausgelassen und glücklich wie er tobte, ließ Laura ihn gewähren. Man musste ihm auch mal seinen Spaß lassen. Training sollte für Tiere nicht nach Arbeit aussehen, sondern mehr wie eine neue Herausforderung wirken, die viel Spaß macht und nicht langweilig wird.

Laura hatte selbst diese Freude jedes Mal. Zumal sie auch die sich immer stärker aufbauende Bindung zu Rocky Star spürte. Sie taten dies gemeinsam, lernten sich dadurch noch viel besser kennen, lernten den Umgang miteinander und das Achten aufeinander. Das war sehr viel wert und der Boden ihrer gemeinsamen Beziehung.

Rocky Star hatte Gefallen an den Trainingsstunden, für ihn Spielstunden mit Laura, weshalb er gern hörte, um hinterher belohnt und getätschelt zu werden.

Laura zog ein wenig an der Longe und der kleine Quarter Horse hielt brav an. „Schade, dass es noch so lang dauert bis ich dir den Sattel auflegen kann“, seufzte Laura wehleidig, denn Rocky beherrschte mittlerweile weitgehend alle wichtigen Kommandos, die ein Pferd kennen sollte, wenn es geritten wird. Bei diesem Hengstfohlen dauerte es allerdings noch ein paar Jahre.

„Komm, Rocky! Wir besuchen mal deinen Papa.“ Laura führte ihn aus dem Pen zur Weide.

Boyly Chance stand ein wenig abseits und graste. Als er Laura entdeckte, ließ er sich nicht weiter aus der Ruhe bringen, sondern drehte sich ein wenig und fraß weiter.

Laura seufzte. Der Barrel-Race-Champion war auch nicht mehr derjenige, der er mal war. Ihm fehlte nicht nur sein ihm vertrauter Besitzer, sondern auch das ausdauernde Training, wahrscheinlich sogar die Turniere.

Es war eine Schande, dass dieses arme Tier nun einfach auf dieser Weide stand und lediglich von Laura geritten wurde, wenn diese mal Zeit hatte. Boyly brauchte einfach mehr.

Wieder ein Sache, die Laura Benny übel nahm.

Kurzerhand entschied sie sich doch noch für einen Ausritt. Und Rocky wollte sie auch mitnehmen.

Laura brachte Boyly und Rocky auf den Hof, beide wurden am Anbindebalken vor dem Stall angebunden. Während Laura sich um Boylys Pflege kümmerte, machten Bandito und Rocky mal wieder Quatsch. Den Welpen hatte das Mädchen abgebunden, damit er sich austoben konnte.

Als sie in der Sattelkammer Sattel, Pad und Trense des Quarter Horses holen wollte, fiel ihr sofort das Fehlen der teuren und wertvollen Trense auf, für die Benny lange gespart hatte und sie immer behandelte, als sei sie ein Stück, das um jeden Preis für immer erhalten bleiben muss. Verständlich, wenn man bedachte, wie lang er darauf hatte sparen müssen.

Und nun war sie einfach weg.

Wirklich merkwürdig.

***

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Der nächste Artikel erscheint am 11. Februar in der Kategorie „Buchhintergründe“.

ERSCHEINUNG Band 12: Dezember 2016/Januar 2017
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