DER WANDERRITT (12): Auszug 4

Der Motorradfahrer (3).jpg

Die Rechte am Text liegen bei mir. Der Text kann Fehler enthalten, bitte überlesen, da es nicht die Endfassung ist!

***

„Es ist nur so eine … Überraschung, plötzlich all das zu erfahren.“

Sie hörte ihn durch das Telefon leise lächeln. „So geht’s mir auch. Aber ich freue mich so sehr, wie ich mich in der ganzen Zeit hier im Krankenhaus nicht gefreut habe. Ich weiß endlich wieder wer ich bin, wo ich hingehöre. Und eine hübsche Verlobte hab ich auch noch. Was will man mehr?“

Genau. Was will man mehr?

Was stimmte Sahra nun aber so unzufrieden? Warum gönnte sie Mike nicht sein wiedergefundenes Glück? Nein, daran lag es nicht – ganz im Gegenteil, sie gönnte es Mike ja. Es war eher ein anderes Gefühl, dass ihre Freude für ihn hemmte. Nur welches genau, da war sie sich noch unschlüssig.

„Ich schätze, du und Yvonne, ihr beide würdet euch bestimmt gut verstehen.“

„Woher willst du das wissen? Du hast sie doch heute Morgen nur kurz gesehen.“

„Yvonne war so bodenständig und selbstbewusst, irgendwie ein wenig wie du.“

„Aha“, machte das Mädchen nur.

„Sie kommt heute nochmal und es wäre mir echt lieb, wenn du dabei sein würdest.“

„Warum denn das? Wollt ihr nicht lieber unter euch sein, alles Mögliche besprechen und euch austauschen? Nein, ich glaube, ich passe so überhaupt nicht in die Runde.“

„Doch, Sahra. Das ist ein gewaltiger Schritt für mich, da brauche ich jemanden.“

„Du hast deine Verlobte.“

„Ich meinte eher jemanden, der mir trotz der Amnesie ein wenig besser vertraut ist.“

Obwohl sich Sahra sehr geehrt fühlte, dass sie nach wie vor Mikes Vertrauen und seine Freundschaft genoss, war sie sich unsicher. Sie wäre wie so ein fünftes Rad am Wagen, das die Turteltauben störte.

„Bitte, Sahra“, bat er eindringlich.

Sahra fuhr sich seufzend durch die Haare, setzte sich auf einen Stuhl und starrte auf den Tisch. Die kurz anhaltende Stille durchflutete sie, gab ihr Kraft. „Also gut.“

„Super. Das bedeutet mir echt viel.“

„Bis dann“, sagte sie eher mechanisch und legte auf.

Sie legte ihr Handy auf den Tisch und lehnte sich zurück. Das Mädchen fühlte sich ausgelaugt und träge.

Was für eine Botschaft?

Dieser Mike hatte sein Leben zurück.

*

„Das gibt es doch nicht“, schimpfte Becky.

„Was hast du denn, Schatz?“ Bob wandte sich seiner Frau zu, die am Küchentisch die Post durchging und genervt einen Briefumschlag auf den Tisch pfefferte. Bob sah dem fliegenden Umschlag bis zur Landung nach.

„Schon wieder Rechnungen.“ Becky verschränkte die Arme. „Und dabei könnten sich die Kunden nur so stapeln. Alles was uns hindert ist eine Aushilfskraft.“

„Da war aber noch niemand Passendes dabei. Bis auf diesen Robin. Dass er kein Interesse an der Stelle hatte, bedaure ich immer noch.“

Laura folgte der Erzählung nur stumm, aber dennoch interessiert. Mal wieder ging es um das leidige Thema.

„Wir müssen eine Lösung finden, Bob. So geht das nicht weiter.“

„Wem sagst du das?“, entgegnete Bob zur Abwechslung mal ernst. „Aber es scheint niemand für den Job in Frage zu kommen, denn es fehlt den einen an Kompetenz und Erfahrung und wieder andere finden nach einem Probetag raus, dass sie mit dem Job doch überfordert sind.“

Das war Lauras Meinung nach absoluter Schwachsinn. Und das wussten ihre Eltern. Dass sie keinen Ersatz für Benny fanden, lag nicht daran, dass die einen keine Ahnung und die anderen keine Lust auf die Arbeit hatten, sondern eher daran, dass all die Bewerber schlicht und ergreifend nicht Benny waren. Sie – und damit schloss sich Laura selbst auch ein – hatten ein schlechtes Gewissen dabei, Bennys Stelle zu vergeben, weil natürlich noch immer die Hoffnung im Alltag mitschwang, dass der junge Mann irgendwann zurückkehren würde.

Auch nach drei Monaten.

Drei Monate, in denen man nichts von ihm hörte, keine Nachricht und keinen Anruf bekam. Nichts. Nada.

„Und was schlägst du vor?“, hakte Bob nach.

Becky zuckte mit den Schultern. Ihr Blick fiel auf Laura, dann schien sie eine bombastische Idee zu haben. „Ausritte!“

Bob verdrehte die Augen. „Mal was ganz Neues bei uns, wie?“

Da war sein Humor wieder – dachte sich Laura schmunzelnd.

„Nein, im Ernst, Bob. Tagesausritte haben wir schon im Programm, aber wie wäre es mit mehrtägigen Ausritten?“

„Du meinst so richtige Wanderritte?“, mischte sich Laura ein.

„Ja. Genau. Wanderritte. Das würde doch bestimmt einschlagen. Die Nachfrage, was Wanderritte angeht, ist sowieso momentan sehr hoch. Wenn wir die Gruppe ein wenig vergrößern und eine mehrtägige Route mit Sightseeing-Effekt für Touristen wählen, können wir damit vielleicht ein wenig unser Sparschwein füttern.“

***

Nächste Woche geht’s an dieser Stelle weiter.

Kommt gut ins neue Jahr! Ich wünsche euch alles Gute! 🙂

Auf Wiederlesen!

ERSCHEINUNG Band 12: Dezember 2016/Januar 2017
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