DER WANDERRITT (12): Auszug 2

Der Motorradfahrer (1).jpg

Die Rechte am Text liegen bei mir. Das Manuskript ist die Tage ins Korrektorat gegangen, also bitte über Fehler hinweglesen, da es nicht die Endfassung ist!

***

Ihr Weg führte ein paar Kilometer weiter ins beschauliche Bauerndörfchen und Touristennest Chieming.

Das Mädchen hielt vor der Praxis des Tierarztes Streichinger, der das Vertrauen vieler Höfe besaß und einen anerkannten Ruf in der Gegend genoss.

Laura stieg aus und betrat die luftigen Räume seiner Praxis, die nur zeitweise geöffnet hatte, da der Doc hauptberuflich Landtierarzt war, für dessen Patienten er Höfe anfuhr.

„Ach, Laura. Du bist schon da.“ Er kam aus dem Behandlungszimmer.

Niemand außer ihm war in der Praxis, da er jetzt eigentlich geschlossen hatte. Nur für Laura hatte er eine Ausnahme gemacht.

Unsicher und mit einem mulmigen Gefühl in der Bauchgegend taxierte sie den Tierarzt, der mit einigen Unterlagen an ihr vorbeiging und auf dem Stuhl des Empfangs Platz nahm, wobei er dort noch etwas ausfüllte.

„Wie lange hattest du dir das denn vorgestellt?“, hob er mit einem Mal den Kopf.

„Zumindest über die Sommerferien hinweg. Sechs Wochen.“

Doc Streichinger nickte. „Das hört sich gut an. Über die Sommermonate gibt es immer mehr zu tun. Eine Assistentin an der Seite zu haben, ist dann gar nicht schlecht. Und du traust dir das alles auch wirklich zu?“

„Sonst würde ich hier nicht stehen“, kommentierte sie bloß.

Streichiunger nickte, stand auf und reichte dem Mädchen die Hand. „Alles klar. Engagiert.“

Laura erwiderte glücklich den Händedruck. Sie konnte es kaum fassen. Endlich kam auch sie weiter in ihrem Traumberuf. Laura wollte Tierärztin werden. Dieses Schuljahr war ihr letztes, dann ging es ans Studium, und für das hatte sie nun einmal bessere Chancen genommen zu werden, wenn sie praktische Erfahrungen vorweisen konnte. Und wo konnte man besser Erfahrungen sammeln, als an der Seite des beliebten Tierarztes. Allein sein Name auf einer Praktikumsbescheinigung würde vermutlich reichen, um ihr einen Studienplatz zu sichern – natürlich in Verbindung mit entsprechenden Noten.

„Wann geht’s los?“, fragte Laura direkt.

„Wenn du magst, direkt morgen.“

„Und ob ich will.“

*

„Du wirst es nicht glauben, Sahra.“

„Was denn?“ Sahra stand in der Küche und schaute durchs Fenster auf den Hof, der durch die Sonne richtig zu leuchten begann. Sie hielt sich ihr Handy ans Ohr und hörte ihm zu.

„Es hat sich jemand gemeldet?“

„Wie?“

„Es ist tatsächlich so. Es hat sich gestern jemand gemeldet und ausgesagt, dass sie mich kennt und schon seit Wochen nach mir sucht.“

„Sie?“, wurde Sahra vorsichtig.

„Meine Verlobte.“

„Du bist verlobt?“

Sahra hörte ihn hektisch atmen, er konnte anscheinend selbst noch nicht verstehen, was für eine Wende sein Leben gerade einnahm.

Vor sieben Wochen kam er nach einem Autounfall ins Krankenhaus, kann sich seither an nichts und niemanden erinnern, weshalb niemand wusste, wie er überhaupt hieß. Sie wusste lediglich, was auch er im Krankenhaus nach seinem Unfall von den Polizisten und von den Ärzten erfuhr: er wurde eines Autodiebstahls verdächtigt und schien keine hinterbliebenen Verwandte oder Familienangehörige zu haben, sonst hätte direkt jemand eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben.

Und nun das!

Es meldete sich jemand. Und sie war ausgerechnet seine Verlobte.

Sahra sog nach Luft. „Wow! Du bist verlobt.“

„Schon komisch, was?“

Das Mädchen nickte geistesabwesend. „Jep.“

Nach ihrem Besuch damals im Krankenhaus hatte Sahra ihr Versprechen gehalten und weiter Kontakt mit diesem sich selbst unbekannten jungen Mann gehalten. Daher rief er sie nun auch so voller Freude an. Sie war quasi zu seiner ersten Ansprechpartnerin geworden.

„Und einen Namen hab ich auch wieder.“

***

Nächste Woche gibt’s die Fortsetzung 🙂

ERSCHEINUNG Band 12: Dezember 2016/Januar 2017
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