VERHÄNGNISVOLLER BESUCH (11): Textauszug 5

Der Motorradfahrer (1).jpg

Quelle: pixabay.com

Die Rechte am Text liegen bei mir. Fehler im folgender Textauszug überlesen, es handelt sich nicht um die Endfassung!

***

*

Bianka sah ihren Vater abwartend an. Das Donnerwetter war vorprogrammiert. Allein wie er dort am Küchentisch saß und mit gerunzelter Stirn ihre letzte Englischarbeit durchging. Das alles verhieß nichts Gutes.

Dann seufzte er laut, schüttelte den Kopf und legte die Blätter auf den Tisch, schob sie seiner Tochter hin, die ihm gegenüber stand. Noch immer sah er sie nicht an. Diesmal wusste sie, dass sie nicht so leicht davon kam, wie die Male zuvor.

Langsam hob Frank Schafser den Blick, sah seine Tochter an, wandte den Kopf ab und schüttelte erneut den Kopf. „Eine fünf“, kam es leise von ihm, was sich dann aber änderte. „Meine Tochter hat in Englisch eine fünf!“

Sie sah ihn erschrocken an.

„Wie konnte das passieren?“

Bianka schaute ihn nur an, brachte keinen Ton heraus, so eingeschüchtert war sie für diesen Moment.

„Ich sag’s dir.“ Er beugte sich leicht nach vorne, wurde im Ton wieder etwas ruhiger, aber nicht weniger zornig. „Du warst zu faul. Du hast nicht gelernt. Du kümmerst dich lieber um Rush, um deine Freundinnen und alles Mögliche … aber nicht um die Schule.“

Das war nicht wahr. Sie lernte, aber sie konnte sich einfach nicht richtig konzentrieren, aber auch das brachte sie nicht heraus.

„Wo soll das noch hinführen, Bianka? In einem knappen Jahr machst du dein Abi, wie willst du das denn machen mit solchen Noten?“ Er klopfte auf die Arbeit, die er kurz zuvor seiner Tochter rübergeschoben hatte.

Das Mädchen blickte auf die Blätter vor sich, die große, rote fünf, die vielen Anmerkungen, die durchgestrichenen Antworten – sie hatte schon ein schlechtes Gefühl gehabt, als sie die Arbeit geschrieben hatte.

„Ich kann mir schon denken, wie dein Zeugnis nächsten Monat aussehen wird. Mathe eine vier, Geschichte eine vier und jetzt das“, er schlug auf den Tisch. „Eine fünf in Englisch!“ Er stand auf, zeigte auf seine Tochter. „Soll ich dir was sagen, junge Dame? Du hast Hausarrest.“

„Was?“, platzte es aus ihr heraus.

„Bis deine Noten sich bessern hast du Hausarrest. Verabschiede dich von deinen Freundinnen und von langen Ausritten, denn das wird jetzt erst mal eine ganze Weile hinten dran hängen.“

„In ein paar Wochen sind Sommerferien. Soll ich die ganzen sechs Wochen im Haus hängen und nichts tun?“

„So weit wird es nicht kommen. Du wirst deiner Mutter im Haushalt helfen und dich auf dem Hof nützlich machen, nebenher wirst du deinen Stoff lernen, damit du fürs nächste Schuljahr keine Lücken hast.“

„Ich darf kein einziges Mal in den Ferien ausreiten?“

Frank taxierte seine Tochter. „Wenn du dich gut machst, können wir nochmal drüber reden.“

„Was soll das heißen, Papa? Das kannst du doch nicht machen!“

„Ich kann, denn ich bin immer noch dein Vater – und ich werde!“

Bianka kniff ungehalten die Lippen aufeinander, stemmte wütend die Hände auf die Hüften. „Ich werde in wenigen Wochen achtzehn Jahre alt. Du kannst mir nicht mehr alles verbieten wie einem kleinen Kind.“

„Solange du unter meinem Dach lebst wirst du dich trotzdem danach richten müssen.“

„Und das alles nur wegen der blöden Noten?“

„Du sagst es: Noten. In der Mehrzahl. Und wenn ich jetzt nicht gegenlenke, wirst du deinen Abschluss vergeigen, das kann ich einfach nicht zulassen.“

„Du hast doch keine Ahnung!“

„Du bist kein Sonderfall, Bianka. Jeder geht zur Schule, jeder muss lernen. Besser ist es, wenn man das früh akzeptiert und sich danach richtet. Oder willst du wie dein Bruder enden?“ Der letzte Satz war ihm herausgerutscht, das sah Bianka ihm an. Er hätte ihn am liebsten ungesagt gemacht.

„Was soll das heißen? Nur weil Benny nach seinem Realschulabschluss keine Lust mehr hatte und sich lieber sein Geld auf dem Hof verdient hat? Was ist daran schlimm?“ Sie nickte mit einem Mal verstehend. „Ah, das ist es also. Du willst nicht, dass sich das wiederholt. Du willst, dass ich es weiterbringe als Benny. Dass Benny damals aufgehört hat, hat dir gar nicht gepasst. Und nun willst du verhindern, dass ich es genauso mache.“ Sie schüttelte den Kopf.

***

Nächste Woche geht’s an dieser Stelle weiter.

Der Band erscheint übrigens etwa Mitte bis Ende November, da ich es gern zu meinem 3. Autorenjahrestag timen möchte. Da hab ich auf Facebook nämlich eine kleine Überraschung geplant, über die sich meine Green Valley Leser hoffentlich freuen werden 🙂

ERSCHEINUNG Band 11: Oktober/November 2016
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