VERHÄNGNISVOLLER BESUCH (11): Textauszug 1

Der Motorradfahrer.jpgDie Rechte am Text liegen bei mir!
Bitte über Fehler hinweglesen, das Manuskript ist nämlich derzeit im Korrektorat!

***

1

Laura rutschte aus dem Westernsattel ihrer Fuchsstute Button. Sie führte sie und Rocky am Strick zum Round Pen des Düllmenner Hofes, band sie an einer der Stangen fest und schaute sich nach dem kleinen Border Collie Welpen um, den sie mitgenommen hatte. Der lief allerdings nicht mehr vor ihr, sondern beschnüffelte bereits ausgiebig die Außenwand des Hauptgebäudes. Laura ahnte, warum er das tat: Düllmens besaßen nämlich selbst zwei kleine Rehpinscher, die man allerdings selten zu Gesicht bekam, da sie immer irgendwo an einem kühlen und versteckten Ort lagen. Der Kleine – der mittlerweile einen Namen hatte: Bandito – nahm ihren Geruch wahr.

Sahra kam aus dem Stall, fröhlich ihre Freundin zu sehen, wich allerdings einen Schritt zur Seite hin aus, als sie überraschend von der Seite von dem Border Collie Welpen angesprungen wurde.

„Bandit!“, rief Laura, da sie Bandito immer so abkürzte, wenn er tatsächlich etwas anstellte.

Sie kam auf ihre Freundin zu und verscheuchte den kleinen fünfzehn Wochen alten Rüden, der das allerdings als Spielaufforderung ansah. Er sprang aufgeregt um seine junge Besitzerin.

„Schluss jetzt!“, zischte sie.

Winselnd kapitulierte Bandito und legte sich zu ihren Füßen.

Laura fuhr sich durch die Haare, schwitzte unheimlich und band sich deshalb die Haare zu einem hochgesteckten Zopf. Während sie damit beschäftigt war, kämpfte sie mit sich selbst. Eigentlich war sie hier, um ein überaus wichtiges Thema mit ihren Freundinnen zu besprechen, allen voran wollte sie erst Sahras Meinung wissen: es ging dabei um das Schuljahr im Ausland. Trotz der vergangenen vier Wochen wollte sie diese Idee einfach nicht in Ruhe lassen. Nun aber haderte sie wieder mit sich, sollte sie Sahra wirklich involvieren? Jetzt schon?

„Was führt dich her?“

Laura blickte ihre Freundin an, hatte ihren Zopf gerade fertig bekommen und ließ seufzend die Hände sinken. Er war vorbei – der richtige Moment. Sie lenkte ab. „Ich wollte mal nach euch und den Fohlen schauen. Wie geht es zum Beispiel Gina?“

Sahra schlug den Weg zur Pferdeweide des Düllmenner Hofes ein, der die Privatpferde des Hofes beherbergte.

Gina war das kleine Araberfohlen Ginogas – die Namensähnlichkeit war damals gewollt. Vor über einem Jahr wurde das Fohlen geboren, doch anstatt dass sich die Pferdemutter um ihr Kleines kümmerte, ließ sie es außen vor. Das Ende des Liedes war allen bekannt: Es bekam eine Stiefmutter, nämlich Rush.

Sahra öffnete das Weidegatter und der erste, der die Wiese stürmte, war Bandito. Natürlich!

Die beiden Mädchen liefen gemächlich hinterher, suchten das kleine Araberfohlen auf der Weide und gingen auf sie zu.

Das Stutfohlen war mittlerweile gar nicht mehr so klein, aber der Begriff hatte sich irgendwann einfach eingebürgert.

Gemächlich graste die Schwarze, nahm die Anwesenheit der Mädchen wahr, ließ sich aber nicht stören. Nur Bandito schien das wilde Herz in der Araberstute zu spüren und wollte sie um jeden Preis zum Spielen bringen. Er sprang spielend knurrend um sie herum, lief vor ihr her und stieß sie recht unfreundlich an.

Laura schüttelte den Kopf. Er glaubte immer wieder, dass – vor allem die Fohlen – jeder mit ihm spielen würde, wenn er es sich in den Kopf gesetzt hatte. Und komischerweise, so lange es auch dauern mochte, es funktionierte tatsächlich jedes Mal.

So auch jetzt.

Gina wurde neugierig, kam langsam gesenkten Kopfes auf den Welpen zu, schnaubte ihm entgegen und dann war es auch um sie geschehen. Zusammen mit Bandito trabte sie über die Weide.

„Jetzt weiß ich, wen ich mir ausleihen werde, wenn unsere Pferde mal mehr Bewegung brauchen sollten“, lachte Sahra und blickte dem ungleichen Gespann nach.

„Rocky und Bandito sind unzertrennlich geworden. Sollte man gar nicht meinen, dass sich ein Hund und ein Pferd so gut verstehen können.“

„Du vergisst da etwas Entscheidendes.“

Laura schaute Sahra fragend an.

„Beide sind Jungtiere, bis auf … wenige Wochen gleich alt, gleich wild und …“ Sie nickte dem davonlaufenden Duo zu. „Und die gleichen Interessen vertreten sie auch noch.“

Da war etwas dran. Die Mädchen beobachteten stellenweise lauthals lachend, wie ausgelassen Gina und Bandito über die Wiese tollten, rollten und die ganze Pferdeherde damit aufmischten.

Nicht das erste Mal, dass eine Weide zum Leben erwacht, wenn Bandito sie betrat.

***

Nächste Woche gibt es den zweiten Auszug hier auf meinem Blog 😉

ERSCHEINUNG: August/September 2016
Benachrichtigung am Veröffentlichungstag und sichern des Einführungspreises? Meldet Euch zu meinem Newsletter an.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s