HINTER DEM HORIZONT (10): Textauszug 1

colt-204195_1920.jpgEndlich der erste Auszug aus dem aktuellen Projekt, HINTER DEM HORIZONT, Band 10 – der zugleich diese Woche auch schon ins Korrektorat gegangen ist.
Momentan bin ich bei der Überarbeitung von Band 11 (Noch immer titellos).

Seid bitte mit der Rechtschreibung noch ein wenig nachsichtig, ist nämlich nicht die endgültige Fassung.
Außerdem liegen die Rechte am Text wie immer bei mir!

***

1

Laura hielt ihre Quarter Horse Stute an.

„Hier endet unser Weg.“

Das Mädchen nickte ihrer Freundin Bianka zu, die ihre Appaloosastute Rush rechtsherum lenkte und somit auf den Feldweg bog, der sie geradewegs auf den Gutshof führen würde.

Laura blieb stehen, stieg ab und lief an Buttons andere Seite zu dem kleinen Fohlen ihrer Stute. Na ja, kleines Fohlen war vielleicht ein wenig untertrieben, denn der vier Monate alte Hengst wuchs stetig.

Sie horchte auf, hörte sie doch ein ganz merkwürdiges Geräusch. Dann wurde es immer lauter. Laura drehte sich um und dann erkannte sie den Grund.

Jemand näherte sich auf einem schwarzen Motorrad. Er kam immer näher, so dass es den Anschein erweckte, als wolle der schwarz vermummte Fahrer an Lauras Seite halten. Kurz bevor er tatsächlich zum Stehen kam, nickte der Fahrer dem Mädchen zu und ließ sein Gefährt ordentlich aufheulen.

Button schnaubte und Rocky Star ließ sich davon anstecken. Laura widmete sich den beiden Pferden, wollte laut losdonnern, kam aber nicht mehr dazu, weil der Fahrer ziemlich schnell aus ihrer Reichweite verschwunden war.

„Was war das denn?“, vernahm sie Biankas Stimme, die noch nicht allzu weit weg gewesen war und dann stehen geblieben war.

„Ein Mensch ohne Hirn“, kommentierte Laura barsch. Ihre Laune war seit Wochen auf dem Tiefpunkt, den Grund dafür kannten alle, weshalb man sie darauf nicht ansprach. Acht Wochen waren vergangen. Acht ganze Wochen. Siebenundfünfzig Tage. Und es gab keine Neuigkeiten von Benny. Alles war beim Alten geblieben.

Bianka nickte auf Lauras Gesagtes hin.

Sie beruhigte die Pferde und schaute dann den Zufahrtsweg entlang. Er führte in diese Richtung nur nach Green Valley, was zwangsläufig bedeutete, dass dieser hirnlose Motorradfahrer auf der Ranch war, oder aber er hatte sich verfahren – davon ging das Mädchen am ehesten aus – und würde gleich wieder an ihr vorbeirauschen.

Lauras Kopf ratterte. Sie wollte für diesen Fall vorbereitet sein, irgendeinen Plan wollte sie sich zurechtlegen, damit er einen Denkzettel verpasst bekam.

„Ist wieder alles in Ordnung?“

„Ja“, meinte Laura und dachte sich insgeheim, dass rein gar nichts in Ordnung war. Sie war nicht weniger tief verletzt, als vor acht Wochen. Der Schmerz saß noch genauso tief, eventuell sogar noch mehr – denn ihr wurde bewusst, dass es immer unwahrscheinlicher wurde, dass Benny tatsächlich zurückkam, mit jedem Tag der verging.

Das Mädchen stieg auf Button, nickte ihrer Freundin zu und trabte über den Weg, dabei spürte sie Biankas Blicke im Rücken.

Bennys Schwester hatte ebenfalls ziemlich daran zu knacken, dass ihr Bruder nach und nach alle Versprechungen in den Wind schoss. Laura hatte tatsächlich schon mit dem Gedanken gespielt, ob mit ihm alles in Ordnung war. Dann war da der Wunsch ihn anzurufen, seine Stimme zu hören, oder zumindest eine Nachricht von ihm zu erhalten – bis sie jedes Mal aufs Neue begreifen musste, dass sein Handy abgeschaltet war.

Jeden Tag versuchte sie es, daher wusste sie es.

Das Mädchen wollte an etwas anderes denken. Laura grübelte über ihre bestandene Führerscheinprüfung nach, die sie seid neuestem sicher in der Tasche hatte. Nun musste sie in wenigen Wochen nur noch volljährig werden. Aber auch daran musste sie an Benny denken. Er hatte ihr heimlich Fahrunterricht gegeben. Außerdem dachte sie darüber nach, wie er auf die bestandene Prüfung reagiert hätte. Dass er all das weder wusste noch miterleben konnte, versetzte ihr einmal mehr einen tiefen Stich dorthin, wo es sie erst seit zwei Monaten schmerzte: Ins Herz. Denn das hatte Benny ihr einfach entrissen.

Sie fuhr sich durchs Haar, straffte die Schultern und verabscheute sich mit einem Mal selbst. Sie suhlte sich im Selbstmitleid während es Benny nicht anders gewollt hatte. Es gab wirklich andere Probleme, Wichtigeres.

Als Laura die Rancheinfahrt passierte, stoppte sie, als sie wieder einen Laut vernahm. Der kam ihr nur zu bekannt vor. Sie stieg von Button und sah sich um.

Und da kam er auch schon angeflitzt.

„Was machst du denn schon wieder hier?“ Sie stemmte die Hände auf die Hüften und grinste den jungen Hundewelpen schelmisch an.

Mit fliegenden Ohren kam der elf Wochen alte Border Collie angerannt. Vor Laura hielt er, dass die kleinen Steinchen nur so flogen. Laura musste herzhaft lachen.

„Was bist du nur für ein süßer Schlawiner.“ Sie kniete sich hinunter und strich dem Welpen, dem sie damals zusammen mit seinen Wurfgeschwistern das Leben rettete, über das Fell. Dem kleinen Mann war das aber nicht genug, forsch stieß er das Mädchen an, war aufgeweckt und ziemlich verschmust.

Laura rubbelte ihm über das Fell, zerzauste es, so wie der Kleine es gern mochte, dann ließ sie von ihm ab. Abwartend legte er sich vor sie hin, blinzelte sie niedlich an und wusste, dass sie bald nachgeben würde, weil sie seinem süßem Blick nicht widerstehen konnte – wie recht er doch hatte.

„Was soll ich nur mit dir machen? Jetzt bist du heute schon das zweite Mal ausgebüxt.“ Sie seufzte. „Wenn das so weitergeht, bekomme ich noch richtig Ärger wegen dir. Frank sieht es bestimmt nicht gern, dass du ständig von uns zurückgebracht wirst, oder sie dich hier abholen müssen. Jeden Tag stehst du auf der Matte, dabei hast du auf dem Gutshof doch alles, da ist so viel los, viel mehr als bei uns. Und trotzdem besuchst du uns jeden Tag.“ Laura stand auf.

„Nicht uns, dich.“

Sie drehte sich um. Ihr Vater Bob kam neben ihr zum Stehen, sah auf den schwarz-weißen Hund hinunter.

„Was meinst du?“

„Er besucht nicht uns, sondern dich. An dir hat er einen Narren gefressen.“

„Aber warum? Ich mache doch gar nichts.“

Bob deutete auf den Welpen. „Allein wie du ihn immer begrüßt, wenn er angerannt kommt und wie du mit ihm spielst. Als er das erste Mal daherkam, hat ihm das so großen Spaß gemacht, dass er dich am nächsten Tag wieder besuchen wollte. Und genau so läuft es jetzt schon seit guten drei Wochen.“

Laura sah ihren Vater an. „Was soll ich machen?“

Bob kaute auf der Unterlippe. „Am besten den Schafsers bei der Vermittlung helfen.“

Der Gedanke, dass der kleine Hund dann nicht mehr da war, nicht mehr jeden Tag kommen würde, gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie gab sich immer überrascht und ein wenig abweisend, aber im Grunde genoss sie es, dass der Welpe sie so mochte, sie wartete auf seinen täglichen Besuch, freute sich jetzt noch mehr, weil er heute bereits das zweite Mal vor ihr stand.

***

Nächsten Samstag, den 18.06., geht’s an dieser Stelle weiter. Würde mich freuen, wenn Ihr mich und meinen Blog wieder besucht 😉

ERSCHEINUNG: Juli 2016
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