Leseprobe zu TÖDLICHES SPIEL (Mia, Teil 1)

ts1_cover„Meinst du, dass das schon in der Zeitung steht?“, fragte Mia nachdenklich.
Eine Zeitung wurde zwischen sie auf den Tisch geworfen.
Mark und Mia wandten sich um.
„Kann mir das mal einer erklären?“ Bernd Wolf nahm seine Brille von der Nase. Die Stirn wütend gerunzelt.
Mark nahm die Zeitung in die Hand. Rechts oben war ein kleiner Artikel. Ohne Bild, dafür umso mehr Text.
Mia trat an Eichbergers Seite, um auch in die Zeitung schauen zu können. Die Überschrift reichte ihr schon:
Wilde Verfolgungsjagd in Berlin
Mark gab keinen Ton von sich, las den Artikel.
Mia überflog die ersten paar Sätze.
Am Abend des Donnerstags konnte man Jane und James Bond in Action sehen. Sie lieferten sich eine wilde Verfolgungsjagd, mitten in Berlin, wobei es kein Hinderniss für sie zu geben schien. Was die beiden derart …
Mia konnte nicht weiterlesen, sie sah Wolf an.
„Was sollte denn das?“, reagierte er darauf.
Mia sah flüchtig zu Mark, der vom Artikel hochblickte.
„Eine Verfolgungsjagd?“, fragte Wolf wütend.
„Die haben anscheinend etwas mit dem Springer-Fall zu tun“, rechtfertigte sich Eichberger ruhig.
„Ach so“, sagte Wolf ironisch. „Das ist natürlich eine Entschuldigung, die man so stehen lassen kann.“
„Die sind einfach abgehauen. Wir konnten sie doch nicht davonkommen lassen.“
„Schon mal etwas von Polizeifahndung gehört, Eichberger?“ Wolf sah ihn grimmig an. „Autokennzeichen notieren und die Polizei verständigen. Den Rest erledigen die schon.“
„Es war eine Kurzschlusshandlung.“
„Kürzer geht es nicht mehr.“
„Die wollten mich in ihr Auto zerren“, mischte sich Mia ein.
Wolfs Blick hing an ihr. „Wie?“
Mia sah von Mark zu Bernd Wolf. „Ich bin ausgestiegen und wollte ein paar Meter laufen. Mir einfach die Beine vertreten. Plötzlich kam dieser Wagen daher, blieb neben mir stehen und … ein Mann stieg aus. Wollte die ganze Zeit, dass ich einsteige. Ich bin zurückgewichen und dann … kam mir Eichberger zu Hilfe. Es war wohl ein ganz natürliches Verhalten, dass er die Kerle schnappen wollte.“
„Die?“, betonte ihr Chef. „Es waren also mehrere?“
Mia nickte.
Wolf seufzte tief, wischte sich über die Stirn und setzte wieder seine Brille auf. Er nahm die Zeitung erneut in die Hand, warf einen skeptischen Blick hinein. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“
„Es wird nicht wieder vorkommen“, versprach Mark.
„Wissen Sie, wie oft ich diesen Satz von Ihnen beiden in den letzten Tagen gehört habe?“, warf er Mia und Mark vor.
„Aber diese Versprechungen haben wir doch gehalten. Diese Situationen kamen wirklich nicht mehr vor.“
Wolf hob die Hände samt Zeitung in die Luft. „Stimmt. Dafür kommen Sie auf immer verrücktere Dinge. Eine Verfolgungsjagd. Das muss man sich mal vorstellen.“ Er schüttelte den Kopf. „Es kam noch nicht einmal etwas dabei heraus, oder?“
Eichberger schüttelte zerknirscht den Kopf. „Leider nicht.“
„Wieso habt Ihr mich nicht wenigstens verständigt – noch gestern Abend, damit ich nicht ganz unwissend am Morgen dastehe?“
Die beiden jungen Leute blieben ruhig.
Mia wusste es selbst nicht. Sie hatte noch nicht einmal einen weiteren Gedanken an die Arbeit oder die Detektei verschwendet.
Schließlich zuckte Mark mit den Schultern.
„Gerade Sie, Eichberger, sollten wissen, dass wir als seriöse Detektei im Verein BID einem Ehrenkodex unterstehen.“ Bernd Wolf stützte sich samt Zeitung in den Händen auf dem Tisch ab. „Können Sie sich denken, gegen welchen Sie gestern Abend – um es offiziell zu machen – beide verstoßen haben?“
Mark sah seinen Gegenüber abwartend an.
Es war keine rhetorische Frage, wurde Mia bewusst.
Das Gleiche dachte sich anscheinend auch Mark in diesem Moment. Er dachte kurz nach. „Dass unsere Arbeit rechtlich konform gehen muss.“
„Richtig. Aber wenn man es ganz genau sehen will, haben Sie gestern höchstwahrscheinlich gedacht, dass Sie, weil Sie eben im Dienst sind, dieses Auto anhalten müssen – das war auch ein Missbrauch der Tätigkeit. Ebenso eine gewissenhafte Arbeit. Die Aktion gestern war alles andere als gewissenhaft.“
„Ich weiß“, gab Eichberger zu.
„Gut. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Das nächste Mal werden Sie tun, was in dieser Lage richtig gewesen wäre: die Polizei verständigen – in deren Aufgabenbereich es gefallen wäre -, und einen kühlen Kopf bewahren. Natürlich möchte ich das nächste Mal auch verständigt werden, damit so etwas“, er hielt zornig die Zeitung in die Höhe, „nicht mehr passiert. Ich fühle mich wie ein Idiot!“
„Tut mir leid.“ Mark sah betreten zu Boden.
Wolf wandte sich an Mia. „Und Sie haben dazu nichts zu sagen? Sie waren genauso verantwortlich.“
„Ich kann es auch nicht mehr rückgängig machen. Ich kann mich nur noch Eichberger anschließen: es tut mir schrecklich leid.“
„Meine Güte.“ Wolf drehte sich um. „Womit hab ich das nur verdient?“ Er ging.

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Ein Gedanke zu “Leseprobe zu TÖDLICHES SPIEL (Mia, Teil 1)

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