Recherche: Herrisch wie Mustafa

„Gib einem Menschen Macht und du erkennst seinen wahren Charakter“, so lautet ein Sprichwort. Psychologen stimmen mit dem aber nicht überein. Denn nicht der wahre Charakter wird offenbar, sondern lediglich ein anderer, ein neuer.
„Wenn Sie in eine Position mit Macht kommen, dann kommen Sie in eine neue Situation. Sie sind nicht mehr der alte Mensch“, sagte Philip Zimbardo, ein Psychologe der 1971 das Stanford-Gefängnis-Experiment durchgeführt hat, dessen Ergebnis seine These untermauert.

Mächtig oder mächtig schwierig?
Extreme Verhaltenszügler können arrogant wirken. Sie wissen, wie sie ihr Gegenüber kleinmachen können. Sie wollen, dass er sich mies und minderwertig fühlt. Diese Narzissten sind weder einfühlsam noch leicht zu handhaben. Sie neigen zur Aggressivität. Wie weit sie aber Erfolg mit ihrer Strategie haben, hängt vor allem am Selbstwert des Gegenübers ab.
Mein Resultat: Menschen die Macht besitzen, sind es irgendwann gewohnt und wollen sich nicht mehr von anderen dazwischenfunken lassen!
Wie kann ich das nun auf meinen Antagonisten Mustafa al Mawadi übertragen?

Herrisch wie Mustafa
Mustafa ist der Anführer einer arabischen Beduinenkarawane. Mehr muss ich wohl nicht mehr sagen 😉 Er hat Macht.
Nach einem Artikel aus der faz.de (Psychologie – Was Macht aus uns macht) kann man nur in den seltensten Fällen einem Machtmissbrauch widerstehen. Die Folge: man wird unzugänglich und herrisch. Genau das ist bei Mustafa der Fall.
Kurze Erklärung: Wer meinen ersten Wüstenroman „Feuer und Wasser“ kennt und gelesen hat, weiß, dass Mustafa Sharifs Bruder ist – und was mit ihm zum Ende des Buches geschah, was er tat und wie es schließlich endete. Mein momentaner Roman, mit dem Arbeitstitel Shadia, führt sein Leben fort. Es erklärt und erläutert einige Passagen aus seinem Leben.
Als ich das 3. Kapitel geschrieben hab, hab ich eine behutsame Stelle eingebaut, in der ich Mustafa al Mawadi das Recht eingeräumt habe, sich und sein Leben, aber auch seine Taten zu rechtfertigen. Denn nicht nur aus meiner Sicht, sondern auch aus der einiger Leser weiß ich, dass sie ihn verabscheuen und froh waren, als er endlich von der Bildfläche verschwand. Was hat mich nun also dazu bewogen, ihn wieder auftauchen zu lassen und dann auch noch als ein Hauptcharakter? – Es ist eigentlich weniger das Warum, sondern eher das Wie. Wie hab ich ihn in den Roman eingebunden? Jetzt könnte man ganz schnell sagen: na, herrisch. Und, ja, das stimmt. Er ist herrisch und auch unzugänglich – die typischen Merkmale.
Aber jeder Mensch wird von etwas geprägt, was ihn schließlich auf dem Weg gehen lässt, auf dem er eben läuft. Mustafa geht einen Weg, der es anderen schwierig macht, mit ihm klarzukommen. Wichtig bei den Personen in meinen Romanen ist mir, dass sie nicht alle gleich sind. Sie sollen alle ihre Merkmale, Stärken aber auch Schwächen haben – sie sollen Realistisch sein.
Aber da gibt es eine entscheidende Prägung, die er in „Feuer und Wasser“ mitgenommen hat und sie in „Shadia“ verinnerlicht. Und genau diese macht ihn schließlich doch sympathischer.
Ich muss zugeben, im ersten Wüstenroman war ich froh, als ich mit Mustafa ein Schlussstrich ziehen konnte. Genau wie Zahra und Sharif. Nun muss sich aber Shadia mit ihm rumärgern – und einmal mehr: ich!
Aber seine Prägung lässt mich umdenken. Und seine Gestalt – als herrischer, mächtiger Anführer – wird zwiespältig. Dadurch wird er ein angenehmer Begleiter und … ja, man kann es mit ihm aushalten. Die Passagen in denen ich aus seiner Sicht schreibe, lassen mich in seine Seele blicken und erkennen, was diesen Menschen antreibt.
Und wie Ihr lest, hab ich mich schon wieder in meinem Roman verloren 😉

Wie ist der Stand von „Shadia“?
Noch kurz zum derzeitigen Stand von „Shadia“. Ich hab dieses Wochenende mit der Überarbeitung angefangen. Das Manuskript an sich steht also schon;)

ERSCHEINUNG: Winter/Frühling 2015
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