GREEN VALLEY SERIE: Lauras Tierarztpraktikum

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Quelle: pixabay.de

In IM SCHATTEN DES HASSES (13) lasse ich Lauras Tierarztpraktikum langsam seinen Lauf nehmen, aber erst in AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN (14) geht’s, finde ich, richtig los.

Wie vielleicht viele andere, wollte auch ich als Kind einst Tierärztin werden. Den Plan habe ich länger verfolgt, habe sogar ein Praktikum bei einem Tierarzt gemacht und eigene Erfahrungen in meine Bücher mit einfließen lassen. Für die Szenen Lauras Praktikum habe ich teils aufwendige Recherchen betrieben, da ich alles so real und authentisch wie möglich darstellen möchte, wie z.B. die Hufrehe-Erkrankung, zu der Laura und Tierarzt Friedhelm Streichinger gerufen werden bzw. das Wissen, welches Streichinger seiner Praktikantin darüber mitgibt.

Mal schauen, wie Lauras Weg Tierärztin zu werden weitergeht …

Mein Arbeitsstand

Und wie so ziemlich immer informiere ich euch noch über den aktuellen Stand: Gute Halbzeit für DER GEHEIME VEREHRER (17), und DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY (15) befindet sich noch im Korrektorat.

Apropos Band 15: Am 14.10. folgt der nächste Auszug aus DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY (15). Ich hoffe, ihr seid wieder mit dabei 🙂 Um den Artikel nicht zu verpassen, könnt ihr meinen Blog in der rechten Spalte abonnieren. Zur Erscheinung des nächsten Buches werde ich wieder ein signiertes Taschenbuch davon verlosen. Diesmal werde ich mein Gewinnspiel nicht nur auf Facebook veranstalten, sondern auch hier auf meinem Blog (für alle Nicht-Facebooker 😉 ).

Meinen Blog zu abonnieren, macht dann also gleich doppelt Sinn!

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DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY (15): Auszug 1

winter-533482_1280Erfahrt heute, wie es im nächsten Band weitergeht …

Aber nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen des Auszugs & möchte euch daran erinnern, dass der Text Fehler aufweisen kann, da es nicht die Endfassung ist und die Rechte am Text bei mir liegen!

*

1

Laura lehnte sich zu Bianka, die neben ihr stand. „Wir scheinen alle vollzählig zu sein, was meinst du?“

Diese nickte. „Scheinen alle aus unserer Klasse da zu sein.“

Laura stand zwischen Sahra und Bianka und überblickte das rege Treiben, das normalerweise nur in ihrer Schulklasse herrschte. Wie merkwürdig es sich anfühlte, dass sie an diesem Nachmittag alle auf Green Valley waren – um präziser zu sein: in ihrem Wohnzimmer.

Der Großteil hatte es sich auf der Wohnlandschaft bequem gemacht, für den Rest hatten sie die ganzen Stühle auf dem Hof zusammengesucht.

Das erste außer der Reihe stattfindende Klassentreffen der dreizehnten Klasse fand deshalb im Wohnzimmer Green Valleys statt, weil es an diesem Januartag zu kalt war, um es draußen zu veranstalten und sie eine Menge Platz benötigten, um ihre Klassenkameraden unter zu bekommen. Biankas Vater hatte natürlich prompt nein gesagt und Carola mochte so ein Durcheinander nicht in ihrem momentanen Zustand. Also blieb nur noch Green Valley.

Also“, einer von Lauras Kameraden rieb sich voller Vorfreude die Hände, „planen wir unseren Abi-Ball.“

Was gibt’s zu planen? Solang es Bier gibt, ist alles cool.“

Laura verdrehte gespielt die Augen. Typisch Jungs!

Ganz meine Meinung.“ Robin, ihr Hofarbeiter, kam ins Wohnzimmer, hatte zufällig die Unterhaltung mitangehört. „Wo kann man sich bedienen?“

Laura deutete zur Tür. „Am Türgriff, Robin!“

Er hob beschwichtigend die Hände und zog den Rückzug an.

Der sollte lieber seinen Arbeiten nachkommen, als hier wieder den Clown zu spielen – dachte Laura.

Nein, jetzt mal im Ernst“, meldete sich eine dominierende Stimme zu Wort – Dixie Kerner. „Wir sollten schon ernsthaft planen. Was brauchen wir?“

Bier!“, rief einer der Jungs dazwischen und unterbrach die kleine Schuldiva somit in ihrer Aufzählung, die genervt nach ihm schlug.

Welche Mengen von allem?“

So viel wie geht“, quatschte wieder einer dazwischen. „Bier kann man nie genug haben“, grinste er seinen Freund und Sitznachbarn an.

Wer was besorgt.“

Machen wir.“

Dixie senkte die Hand mit der sie aufgezählt hatte. „Kannst du mal ruhig sein, ich versuche die Sache ernsthaft zu besprechen.“

Wir auch.“

Sie winkte ab. „Und wo genau alles stattfindet.“

Von der Schulleitung haben wir eine Absage bekommen“, meinte Bianka. „Die wollen unsere Klasse beim Abschlussball nicht mal annähernd ans Schulgebäude lassen, wenn Alkohol in Verbindung mit bestimmten Personen im Spiel ist.“ Damit sah sie die dafür verantwortliche Jungengruppe an, die sich schon passend zusammengesetzt hatte.

Na klasse! Und ich dachte da bereits die ganze Zeit an die Turnhalle.“

Bianka schüttelte den Kopf.

Und was nun? Wo sollen wir den Abi-Ball abhalten?“

Ich sehe es schon kommen, wir sind die einzige Klasse, die keinen haben wird“, jammerte eine von Dixies Freundinnen.

So weit wird es nicht kommen.“

Die planenden Mädchen wurden ruhig, überlegten jeder für sich, während die Jungs vor sich hin plappernd alles mögliche taten, aber bestimmt nichts Sinnvolles oder Überlegtes.

Und wenn wir es hier veranstalten würden?“, fragte Dixie einfach.

Laura wurde unvermittelt von dieser Frage überrollt. Warum eigentlich nicht? Und dann kam ihr der Grund. „Aber wir haben keinen beheizten Platz dafür und draußen ist es zu kalt.“

Hier ist so viel Platz. Allein die beiden Gebäude da drüben.“ Dixie deutete durch die Wohnzimmerwand, um die Nebenhäuschen auf dem Hof anzusprechen.

Wovon eins noch unserem Hofarbeiter gehört.“

Und das andere?“ Dixie hob die Augenbraue.

Laura dachte nach. „Da müsste ich mit meinen Eltern drüber sprechen.“

Cool!“, jauchzte Dixie sofort.

Das war keine Zusage“, bremste Laura sie direkt ein.

Ich weiß, aber damit hätten wir immerhin eine echte Chance auf eine Alternative zur Turnhalle.“

Das Mädchen hörte die Eingangstür und wusste, dass es nur ihre Mutter oder ihr Vater sein konnte.

Dixie deutete auf die Tür, hatte es auch gehört. „Sind sie das?“

Ich denke schon.“

Dann frag doch!“

Laura drehte sich seufzend um und ging in die angrenzende Küche, in der ihr Vater Bob stand und sich einen Keks aus der Packung stibitzte. „Wie läuft der erste große Green Valley Kongress?“, zwinkerte er seiner Tochter zu.

Ganz gut. Du, Pa?“

Hm?“

Meinst du, man könnte hier bei uns einen Abschlussball organisieren?“

Bob hielt inne. „Du denkst da nicht zufällig an deinen eigenen?“

Doch.“

Von hier aus zu organisieren dürfte kein Problem sein. Wo soll der denn dann stattfinden?“ Er lehnte sich gegen die Küchenarmatur und schaute seine Tochter schalkhaft an. Er wusste genau was sie meinte.

Laura zog eine genervte Miene. „Das weißt du genau, Pa. Also?“

Er wurde ernst, kratzte sich am Kinn. „Da muss ich mit Becky drüber reden.“

Jetzt?“

Später.“

Wirklich nicht jetzt?“

Ganz wirklich.“

Laura ließ die Luft aus. „Okay.“ Damit ging sie ins Wohnzimmer zu den anderen zurück.

Und?“, flammte Dixie auf.

Noch keine Zusage. Sie wollen drüber reden. Ich sag euch dann, wie die Entscheidung ausfiel.“

Mhm.“ Dixie zog einen Schmollmund.

Ansonsten finden wir bestimmt auch noch andere Möglichkeiten. Wir könnten uns bei Freunden und Bekannten informieren, ob die etwas wüssten“, schlug Sahra vor.

Laura nickte.

Macht es denn da Sinn jetzt irgendetwas zu planen, wo wir noch nichts haben wo wir feiern?“

Klar, Dixie“, meinte Sahra. „Wir finden schon was und planen müssen wir sowieso.“

Ich wäre für einen DJ“, brachte eine von Dixies Freundinnen den ersten Vorschlag vor.

O ja“, schloss sich diese an. „Mit coolem Bass und super Sound.“

Und das Essen?“, fragte einer der Jungs mal zur Abwechslung.

Catering“, warf eins der Mädchen ein.

Aber das wird so teuer.“

Willst du es etwa selbst machen?“

Warum nicht? Wir backen und kochen … Wo ist denn unsere Hauswirtschaftsgruppe?“ Karla zeigte auf die Klassenkameraden, die als Wahlpflichtfach Hauswirtschaftslehre belegt hatten. Unter anderem Bianka. „Die scheinen doch das so gern zu machen. Und so gut wie die Schule im Anschluss immer riecht, machen die das echt klasse. Was meint ihr?“

Bianka und die anderen der Gruppe schauten sich an und nickten sich nach und nach gegenseitig zu.

Cool! Das hätten wir also schon mal geregelt. Überrascht uns mit euren Spezialitäten.“

Und was ist nun mit meinem DJ?“

Darüber können wir noch nachdenken. Schau schon mal nach welchen in unserer Nähe und frag die Preise an, danach reden wir nochmal drüber.“

Wann hatte Karla das Kommando übernommen? – fragte sich Laura gerade.

Was brauchen wir noch?“, fragte diese auch schon wieder, wobei die Frage eher ihr selbst galt, als den anderen.

Eine Location. Immer noch“, meinte Dixie.

Ist in Planung. Alles der Reihe nach, Kleines“, winkte Karla ab.

Programm. Wir brauchen was, das die Stimmung konstant hält.“

Dafür sollte eigentlich der DJ sorgen, wenn nicht, dann taugt er nichts.“

Jetzt gibt’s also doch einen DJ?“, fragte Bianka.

Na ja, vielleicht eben.“

Und wenn nicht?“

Dann brauchen wir was anderes.“

Was?“, ließ Bianka nicht locker.

Karla Bremer zuckte die Schultern. „Such was raus und schlag es vor.“

Aber nix mit euren Gäulen“, warf einer der Jungs ein.

Aber im Grunde ist die Idee mit dem DJ nicht schlecht, oder?“, kam Karla darauf nach genauerem Bedenken zurück.

Sie fand Zustimmung. „Vielleicht sollten wir wirklich in die Richtung denken. Denn der sorgt nicht nur für coole Musik, sondern auch noch für Partystimmung.“

Genial. Dann müssen wir die Planungsbereiche jetzt nur noch unter uns aufteilen. Und es muss jeder helfen, dass das klar ist“, meinte Dixie.

Die Hauswirtschaftsgruppe weiß ja hiermit schon mal für was sie sorgen wird: gutes Essen und Snacks. Sucht was Gutes raus und überrascht uns.“

Du wirst dich um den DJ kümmern, den du vorgeschlagen hast.“

Ich allein?“

Nein, such dir ein paar aus, die dir helfen sollen. Ihr vier, Dixie, Bianka, Laura und Sahra, kümmert euch um die Location. Sollte das mit dem Platz hier hinhauen, wäre das echt der Hammer.“

Mit dem Platz? Green Valley war doch kein Platz – ging es Laura im Kopf umher. Dennoch nickte sie. Karla wusste es als Streber-Fashiongirl nicht besser.

Dann wandte sich Karla seufzend an die Jungs. „Und nun zu euch. Ich hoffe, ich werde es nicht bereuen euch eine Aufgabe aufgetragen zu haben, dessen Versauen dennoch kleine Auswirkungen auf den Abschlussball haben könnte: die Getränke.“

Kein Ding“, grinsten sie sich alle breit ab. „Das kriegen wir hin.“

Hoffentlich. Ihr denkt auch ein wenig an die weibliche Ballpartie?“

Natürlich. An niemand anderen. Wie viel vertragt ihr?“

Karla legte seufzend den Kopf schief. „Danke, aber wir wollen nicht abgefüllt werden, ja?“

Und was wollt ihr dann da?“

Sie sah den Jungen ernsthaft zweifelnd an. „Das ist diesmal kein Spaß. Getränke sind wichtig für ’ne Party. Cocktails, Sekt, Säfte und Wasser falls es jemandem zu viel wird.“

Und Bier!“, kam es von drei der Jungs laut schallend.

Karla winkte ab. „Haben wir jetzt alles?“ Wieder galt die Frage eher ihr selbst, als den Anwesenden. So war sie. Karla war ein absolutes Planungsgenie, nahm es immer selbst in die Hand und hatte ein besseres Gefühl dabei, wenn sie die Aufgaben verteilte und sie stellenweise auch noch für andere übernahm. Laura wusste von Sahra, die mit Karla mal an einem Projekt hatte arbeiten müssen, dass das Mädchen schier verrückt wurde, wenn Sahra mit der Zeit nicht hinterher kam. Zum Schluss hatte sie selbst einen Teil vorgeplant und Sahra somit um die Hälfte der Arbeit erleichtert.

Karla war eine zielstrebige Persönlichkeit, die manchmal etwas arrogant wirkte, was aber auch von ihrem Selbstbewusstsein kommen konnte. Sie war eine Person, die Laura ab und zu wirklich beneidete. Sie war intelligent, hübsch und ein Mensch, mit dem eigentlich jeder auskam, denn trotz allem blieb sie immer auf dem Boden und ließ sich nicht von anderen beeinflussen.

Gut, dann macht mal jeder seinen Job und wir bleiben in Kontakt wegen der einzelnen Planungsbereiche. Fragen?“

Keiner meldete sich zu Wort.

Fein. Die Tagung ist beendet“, meinte sie spaßig zum Schluss und erhob sich schwunghaft. Sie richtete ihren Minirock, den sie trotz der kalten Temperaturen trug und zog sich ihren schwarzen Mantel an.

Nach und nach fuhren die Autos von der Ranch, die sich durch ihre Klassenkameraden angesammelt hatten.

Nur die drei Freundinnen Sahra, Bianka und Laura blieben gemeinsam im Wohnzimmer und ließen sich dann, kaum dass sie alleine waren, auf die Couch plumpsen.

*

Wie geht’s weiter?

Der 15. Band DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY ist fertig geschrieben und Anfang dieser Woche ins Korrektorat gegangen. Auf meinen Kanälen (hier – nämlich meinem Blog -, Facebook und mein Newsletter) werde ich berichten, wenn auch der erhältlich ist.

Band 16 hat zwar noch keinen Titel, hat aber gestern seine erste Überarbeitung abgeschlossen. Ich bin wieder so voller Ideen und Elaan, dass ich die ersten Sätze zu Band 17, mit dem derzeitigen Titel DER GEHEIME VEREHRER, verfasst habe. Ab Montag tippe ich dann mal wieder einen neuen Green Valley Part 🙂

Der nächste Blogartikel erscheint am 23. September mit einem Hintergrundbericht zu Band 14 AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN, der neulich erschienen ist. Wenn ihr darüber benachrichtigt werden wollt, könnt ihr gerne meinen Blog in der rechten Spalte abonnieren.

AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN (14): Auszug 3

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Gewinnt auf Facebook ein signiertes Taschenbuch von AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN. Weiteres gibt’s hier!

Der neue Green Valley AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN ist jetzt endlich als E-Book erhältlich, das Taschenbuch folgt wie immer in den nächsten Tagen!

Aber nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen des letzten Auszugs aus dem Band & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

*

2

Sahra sah durch das Fenster auf den Hof hinunter, auf dem Laura und Robin standen.

Missmutig beäugte sie die beiden und kam nicht drumherum, als von einem neuen Schwall der Eifersucht ergriffen zu werden.

Das plötzliche Geheul hatte sie neugierig ans Fenster treten lassen, dann beobachtete sie, wie Robin und Laura miteinander auf dem Hof standen und sich mit Sicherheit auch unterhielten.

Die erste Eifersucht, die sie glaubte erfolgreich bekämpft zu haben, überkam sie, als Laura sie anschrieb und von dem Zwiespalt zwischen Robin und sich berichtete. Sofort las sie zwischen den Zeilen, dass Robin sichtlich mehr beabsichtigte, als lediglich Freundschaft mit Laura. Und genau das hatte ihr einen entsetzlichen Stich versetzt!

Seit sie Robin kannte, und sie war ja die erste, die Bekanntschaft mit ihm machte, fand sie ihn sympathisch, sie versuchte in seiner Nähe zu sein, mit ihm zu reden und ihm all das irgendwie zu vermitteln. Doch die Reaktion, die sie sich in Bezug auf sich gewünschte hatte, schenkte er Laura – und die trat es offenbar mit Füßen.

Zu Sahras Glück natürlich. Niemand außer ihr wusste, dass sie insgeheim auf Robin stand, sie hatte noch nicht den Mut offen darüber zu sprechen, denn schließlich beruhte das Interesse nicht auf beiden Seiten.

Und mit diesem Bild, das sich ihr zeigte, würde sie den Gedanken nun abschließen müssen. Vielleicht überlegte es sich Laura, nahm sein Angebot an und sie würden eine Menge Zeit miteinander verbringen. Sahra stellte sich vor, wie sie nach einem gemeinsamen Tag auf die Ranch kamen, glücklich lächelnd und dann geschah es – sie küssten sich.

Allein der Gedanke erzürnte ihre Wut und Eifersucht.

Dann trennten sich die beiden auf dem Hof voneinander und Laura kam aufs Haus zu. Sie war gleich hier oben.

Sahra durfte sich nichts mehr anmerken lassen. Sie ging vom Fenster weg, schnappte sich die DVD und verließ Lauras Zimmer.

Unten hörte sie ihre Freundin, dann erschien sie auf der Treppe.

Hey!“, schlug Sahras Miene in ein Lächeln um. „Komm, wir machen es uns direkt unten im Wohnzimmer bequem.“

Okay.“

Lauras Lächeln sollte sie eigentlich glücklich machen – schließlich war das das Ziel ihres Kommens, aber in Verbindung mit dem was sie von Lauras Zimmer aus beobachtete, verfehlte es diese Wirkung.

Was war denn? Ich hab das Heulen gehört.“ Sahra versuchte mit aller Macht sich abzulenken. Sie wollte nicht derartige Gefühle für eine ihrer besten Freundinnen hegen – zumal Laura dafür nichts konnte.

Crash war da.“

Crash?“

Ja, der Wolf, der damals hin und wieder hier aufkreuzte.“

Ist ja ewig her. Du hast schon lang nicht mehr von ihm erzählt.“

Er war ja auch nicht mehr da seitdem.“

Sahra taxierte ihre Freundin, die im Wohnzimmer die Geräte einschaltete und zwei Decken für sie beide holte.

Und woher kommt der plötzliche Stimmungsumbruch?“

Laura zuckte mit den Schultern. „Liegt vielleicht an der Luft draußen. Es ist ein herrlicher Abend.“

Der letzte Satz schlug Sahra erneut nieder. Ein schöner Abend – wahrscheinlich weil sie sich mit Robin ausgesöhnt hatte, vielleicht hatten sie jetzt doch etwas verabredet.

Ihr drehte sich der Magen um.

Zusammen kauerten sie sich dicht nebeneinander auf die Couch. Die Komödie brauchte jetzt wohl vordergründig sie.

Sahra war die Nacht über geblieben, es wurde spät und so hatte sie mit Laura auf der Couch übernachtet.

Wach wurde sie, als sich Laura ruckartig bewegte und die Couch knirschte. Sahra setzte sich aufrecht hin, fühlte sich noch müde und so verschlafen.

Was ist?“, brachte sie in ihrem Dämmerzustand hervor.

Laura setzte sich nach vorne gebeugt hin, rieb sich die Augen und schüttelte den Kopf. „Nichts. Meine Eltern decken den Tisch fürs Frühstück, das hat mich geweckt. Isst du mit?“

Sahra nickte mechanisch. „Einen Cappuccino, bitte.“ Damit legte sie sich wieder hin und wollte noch vor sich hin dösen bis es soweit war.

Laura lächelte. „Nix da. Aufstehen!“ Sie stand auf und rüttelte Sahra unbarmherzig und lange.

Lass das, Laura. Ich bin so müde.“

Ja, aber wach, also steh auf bevor du wieder einschläfst.“

Sahra meckerte wortlos, nur mit einem grummelnden tiefen Laut aus ihrer Kehle.

Hörst dich ja bedrohlicher an als Crash“, grinste Laura.

Und das sollte dir an dieser Stelle eigentlich zu denken geben“, teilte sie verschlafen mit geschlossenen Augen aus.

Becky lugte ins Zimmer rein. „Frühstück, Mädels.“ Die Tür schloss sich wieder.

Also komm jetzt, Sahra.“

Ja ja“, meckerte sie weiter, drehte sich aber nicht um und machte auch ansonsten keine Anstalten aufzustehen.

Dann bekam sie ein Kissen ab.

Sahra öffnete seufzend die Augen. „Oh, Laura.“

Das war noch friedlich. Wenn du jetzt nicht aufstehst, gibt’s Krieg.“

Sahra drehte sich ihrer Freundin zu. „Krieg also, ja? Auch mit Bedacht deiner Niederlage? Die kann dich nämlich nur überkommen, wenn ich so müde bin.“

Können es ja gern drauf ankommen lassen“, grinste Laura frech. „Also?“

Noch fünf Minuten.“ Sahra drehte sich wieder weg, schloss noch für ein paar Sekunden die Augen.

Okay“, meinte Laura.

Dann traf Sahra wieder ein Kissen. Das Mädchen seufzte.

Ihr wurde die Decke weggerissen, was sie zum protestierenden Aufsitzen zwang. „Hey!“

Laura stand ihr gegenüber auf der Couch, bewaffnet mit zwei Kissen. „Steh jetzt auf!“

Sahra war gereizt darüber, dass man sie schon so früh am Morgen derart hetzen und scheuchen musste. Verschlafen und doch absolut planlos und verblüfft saß sie da, starrte Laura einige Sekunden entgegen und ließ dann den Kopf schmunzelnd sacken. „Das war dein Ernst mit dem Krieg“, schloss sie und fuhr sich unter den Augen die Konturen nach.

Klar, bei so etwas spaße ich sehr, sehr, sehr … sehr selten.“

Das kapierte Sahra an dieser Stelle auch. „Also gut, lass die Kissen fallen, wir gehen rüber.“

Geht doch.“

Sahra erhob sich schwerfällig.

Laura kam von der Couch, achtete nicht mehr weiter auf ihre Freundin und unterschätzte sie aus eben diesem Grund.

Sahra überfiel Laura von hinten, beide landeten sie wieder auf der Couch.

Was soll denn das?“

Was soll ich sagen: ich spaße sehr, sehr, sehr … sehr selten? War das so richtig?“

Womit denn?“

Ich sagte schon, dass du mich in diesem wachen Schlafmodus nicht nerven sollst, du würdest eine Niederlage erleben.“

Ach so, das bezog sich darauf.“

Ja, allerdings.“ Sahra ließ Laura noch nicht los, sondern schnappte sich eins der kleineren Kissen und schlug es ihrer Freundin sanft aber doch neckend wiederholend um die Ohren.

Laura schützte sich mit Händen und Füßen und dachte gar nicht mehr ans Frühstück oder daran sich zu rächen.

Sahra bemerkte nicht, wie die Tür aufging.

Darf ich mitmachen? Sieht lustig aus.“ Robin grinste.

Das Mädchen ließ Laura kurzzeitig lockerer, überrascht von seinem abrupten Auftauchen und ihrem kindischen Auftreten, das ihm hier zur Schau gestellt wurde.

Sahra richtete sich auf, fuhr sich durch die Haare, um sie weitgehend wieder zu richten. „Nein, wir … haben das schon geklärt.“

Ja, und das auf eine wirklich interessante Weise.“

Sahra konnte nicht anders, sie musste schmunzeln. Peinliche Aktion!

Sie sah auf Laura, die wieder stand, und das Chaos, das sie hier fabriziert hatten. Decken und Kissen flogen herum, lagen auf Couch und Boden. Der Wohnzimmertisch verschoben und mit Getränken und Chips voll, die DVD-Hülle lag neben dem Fernseher auf dem Boden.

Robin musterte das volle Ausmaß, das Sahra soeben auch scannte und nickte achtungsvoll. „Also ihr habt eine … wirklich interessante Vorstellung von Nachtleben.“

Laura und Sahra grinsten sich an.

Dankeschön“, sagte Laura stolz sich reckend. „Das Kompliment wissen wir sehr zu schätzen.“

Robin taxierte das blonde Mädchen kurz. „Ich sollte euch übrigens nochmal ans Frühstück erinnern.“

*

Wie geht’s weiter?

Der nächste Band DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY ist fertig geschrieben, muss nur noch überarbeitet und korrigiert werden. Auf meinen Kanälen (hier – nämlich meinem Blog -, Facebook und mein Newsletter) werde ich berichten, wenn auch der erhältlich ist.

Der nächste Blogartikel erscheint am 02. September mit einem Auszug aus Band 15, wenn ihr darüber benachrichtigt werden wollt, könnt ihr gerne meinen Blog in der rechten Spalte abonnieren.

Zudem ist der Start einer neuen Reihe geplant …

AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN (14): XXL-Auszug 2

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Lange ist es her seit der letzte Auszug hier erschien. Heute geht’s weiter, das Ende des ersten Kapitels.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

*

Das Mädchen nahm das Handy auf:

Weiß nicht genau warum Robin so drauf war.

Freut mich für dich wegen dem Kurs. Schön, dass momentan alles reibungslos funktioniert. Du dürftest ja dann bald soweit sein, dich als Pferdetrainerin selbstständig machen zu können, oder?

Mal schauen. Ich melde mich nochmal wegen dem Fernsehabend.

Zumindest Sahra hatte momentan keine Schwierigkeiten. Ihre Ausbildung zur Pferdetrainerin, die sie anstrebte, verlief derzeit gut, das Miteinander war kein Problem, ihr Kontakt zu Mike Nenzer bestand nach wie vor und auch ansonsten strahlte sie eine glückliche Art aus, die Laura ihr von Herzen gönnte.

Bianka schien sich auch endlich von Bennys Verschwinden ein wenig erholt zu haben, denn sie machte einen gelösteren Eindruck. Natürlich nagte es nach wie vor an ihr, dass sie nicht wusste, was mit ihrem Bruder passiert war, aber die Zeit heilte eben doch so manche Wunden, wenn auch nur oberflächlich.

Ihr Handy piepste.

Laura! Mittagessen ist fertig”, rief ihre Mutter nach oben.

Das Mächen ließ ihr Handy liegen und ging nach unten.

Das Essen verging eher schweigsam. Robin und sie sprachen nicht und blickten sich nur hin und wieder unsicher an.

Becky und Bob redeten über den Tag, die anstehenden Aufgaben und was ab morgen, wenn die Kinder kamen, auf sie zukommen würde. Freizeitbeschäftigungen, Reitstunden, Ausritte und nebenbei wollte vor allem Becky auch Wissen über Pferde, den Umgang mit ihnen und die richtige Pflege vermitteln, um Green Valley einen kompetenten und professionellen Status zu geben.

Gerade Lauras Mutter war ja bestrebt darin Green Valley groß aufzuziehen beziehungsweise die Ranch zu ihrer sicheren Lebensexistenz zu machen. Bei den vielen Ausgaben gar nicht so einfach, vor allem dann nicht, wenn unvorhergesehene Rechnungen und Zahlungen ins Haus flatterten, wie es immer mal wieder der Fall war und ihnen ihr Finanzpolster erheblich verdünnte.

Die anstehende Reiterwoche brachte natürlich wieder einen guten Umsatz.

Bob legte sein Besteck zur Seite, hatte seinen Teller leer gegessen. Die Küche wurde ungewöhnlich still. Unangenehm ruhig, wie Laura empfand.

Ihr Vater sah zwischen ihr und Robin hin und her, runzelte für sich die Stirn und warf seiner Frau einen Blick zu. “Was habt ihr beide ausgefressen?”

Laura und Robin sahen ihn an, dann sich gegenseitig und schließlich wieder Bob.

Warum?”, fragte Robin gegen.

Weil ihr so still seid. Schlechtes Gewissen oder habt ihr Ärger?”

Weder noch.” Robin stand auf, nahm seinen Teller und stellte ihn in die Spülmaschine.

Wieso glaube ich dir das nicht?”

Vielleicht, weil sich Laura dazu noch nicht geäußert hat?” Robin deutete auf sie. “Sag doch auch mal was.”

Was denn? Ist doch alles okay, bin nur müde. Waren anstrengende Wochen.”

Bob nickte, sichtlich nicht ganz zufrieden mit dieser einfachen und nicht glaubwürdigen Antwort.

Wenn es nur das ist, ist es okay.”

Seine Tochter nickte, stand ihrerseits auf und brachte ihr Geschirr weg, ging dabei blicklos an Robin vorbei, der noch neben der Spülmaschine lehnte und das Vater-Tochter-Ding eingehend studierte.

Er öffnete ihr die Maschine und stieß sich von der Armatur. “Ich geh dann mal rüber.”

Ja, genieße noch deine beiden freien Tage, ab übermorgen gibt’s auch für dich mehr zu tun, junger Mann.”

Robin schmunzelte ansatzweise, erhob den Daumen. “Genau das was ich hören wollte, Bob.”

Ich weiß.”

Laura ging nach oben, fuhr den PC im Büro ihrer Eltern hoch und checkte ihre Accounts, allen voran die Mails.

Hannah hatte geschrieben, einen etwas längeren Bericht über ihre momentanen Umstände, dann fragt sie an, ob sie vielleicht in den nächsten Ferien kommen könne – vielleicht auch mit Elena, sie würde mit ihr nochmal sprechen.

Laura lehnte den Ellenbogen auf den Scheibtisch, dachte daran, als ihre beiden alten Freundinnen das letzte Mal auf Green Valley waren. Ganz plötzlich und unangemldet standen sie vor ihr. Laura und Benny kamen gerade aus dem Stall, es war der Tag, der Morgen, Rockys Geburt. Es war eine nervenzerrende Nacht gewesen, dort hatte Benny Laura das erste Mal geküsst …

Das Mädchen wandte sich dem Text zu.

Sie verband zu vielen Erinnerungen auf Green Valley mit Benny – aber das war wohl kein Wunder. Sie hatten viel Zeit miteinander verbracht.

Dann begann sie loszutippen.

Laura würde sich sehr freuen, wenn die beiden kommen würden. Sie könnten zu dritt, vielleicht sogar zu fünft – mit Sahra und Bianka – ausreiten und viel zusammen unternehmen. Sie stellte es sich sehr schön vor, hoffte gleichzeitig, dass sich die vier untereinander diesmal besser verstehen würden als das letzte Mal.

Irgendwann, als sie alles erledigt zu haben glaubte, starrte sie auf den Bildschirm und wurde sich erst jetzt bewusst, dass es mittlerweile schon dunkel geworden war.

So war das, wenn man dem Winter entgegenkam. Es wurde früher dunkel.

Laura fuhr den PC runter und ging in ihr Zimmer. Ihr Blick fiel auf ihr Handy, das nach wie vor auf dem Nachttisch lag.

Sie öffnete Sahras Nachricht:

Der kriegt sich auch wieder ein.

Ja, fast hab ich es geschafft. Mir fehlt eigentlich nur noch die endgültige Qualifzierung. Die Kurse, die ich dafür vorlegen muss, hab ich fast alle durch. Bin schon aufgeregt, bald wird’s ernst 😉

Ich komm nachher mal vorbei und bringe dich auf andere Gedanken. Du gefällst mir so ja gar nicht. Bin um acht bei dir. Bis nachher!

Laura seufzte. Wie kam sie denn da wieder raus? Sahra wollte einfach vorbeikommen. Wie sollte sie sie noch abwimmeln?

Dann starrte sie auf die Uhranzeige, die in der oberen Ecke des Display erschien: 19:47 Uhr.

Ihre Augen weiteten sich.

Sahra dürfte schon unterwegs sein, jeden Moment war sie hier. Laura kam aus dieser Sache heute Abend wohl nicht mehr raus.

Dann ertönte ein Automotor auf dem Hof, Laura ging ans Fenster. Die Scheinwerfer des silbernen Opel Astras leuchteten hell in der beinahe völligen Dunkelheit.

Dann piepte ihr Handy. Laura sah drauf:

Bin da!

Laura schaute auf das Auto hinunter. Sahra stieg aus, schaute am Haus hoch und erkannte Laura, die im Licht ihres Zimmers am Fenster stand, das Handy noch in der Hand haltend.

Ihre Freundin winkte. Erzwungenermaßen reagierte Laura genauso.

Dann begab sich Sahra zur Haustür.

Unten ging es leise zu, weswegen Laura nichts hören konnte. Weder Sahra, als sie reinkam, noch wer ihr öffnete oder was geredet wurde.

Dann hörte sie das Knarren der Treppen und schließlich eine der Dielen im Flur. Es klopfte.

Die Tür öffnete sich und Sahra stand in der Schwelle, lächelte ihre Freundin an. “Na du?” Sie blickte sich im Zimmer um. “Was machst du denn?”

Laura lehnte sich gegen die Heizung unterhalb ihres Fensters, steckte das Handy weg und wandte sich ihrer Freundin zu, deren Auftreten immer allein schon durch ihre roten Locken in Szene gesetzt wurde.

Zudem trug sie eine graue Jeans, einen schicken Pullover und schwarze Stiefel. Die Haare hatte sie sich heute zu einem Zopf hochgbunden, wobei sich einige Strähnen frech süß um ihr Gesicht legten, das sie nur dezent schminkte.

Laura ließ den Blick durch ihr Zimmer schweifen. “Na ja, also ich bin nicht gerade voll beschäftigt momentan”, wich sie versuchsweise aus.

Das seh ich.”

Sahra nickte, machte selbst mit einem Mal eine eingefallene Miene, die Laura leicht irritierte. Beinahe schien es, als wäre das Lächeln ihrer Freundin davor nur gestellt gewesen.

Sollen wir einen Film schauen?”

Laura ging im Kopf ihre Filme durch, hatte eigentlich wenig Lust auf einen Filmabend, dafür war sie doch zu erledigt und müde, aber sie konnte Sahra jetzt nicht einfach stehen lassen, wenn sie sich schon die Mühe machte und vorbeikam, weil sie sich anscheinend um Laura gesorgt hat.

Dann such du ihn aus”, entschied Laura und deutete zu ihrem Filmregal.

Mal schauen.” Sie ging hin, kniete sich davor und ging es durch. “Mal schauen. Soll es düster sein oder heiter?”

Laura zuckte mit den Schultern. “Egal.”

Okay, dann sollte vielleicht doch eine gute Komödie her, die dich wieder so richtig aufheitert und zum Lachen bringt.” Sahra studierte weiter das Sortiment an Filmen. “Wie wäre es mit dem hier: Das Leben schenkt nicht immer Rosen und Pralinen? Mit Carry McLeon und Dan Cooper, der muss ja einfach cool sein. Was meinst du?”

Laura kannte den Film natürlich. Und Sahra hatte Recht: Coopers Rolle als charmanter, charismatischer Pechvogl kam vor allem durch seine schrägen Humor- und Schauspieleinlagen zur Geltung. Deshalb nickte sie.

Sahra hatte sie überzeugt. Ein wenig Ablenkung tat ihr tatsächlich momentan ganz gut.

Dann mach du unten im Wohnzimmer schon alles fertig und ich schau nochmal eben nach den Pferden.“

Ist gut. Mach nicht zu lang.“

Laura brachte wirklich ein ernst gemeintes Lächeln zustande und ging an Sahra vorbei aus ihrem Zimmer. Unten zog sie sich schnell ihre Stiefel an, die Jacke, zog sich die Kapuze über, um sich ein wenig vor der nächtlich angehenden Kälte zu schützen und trat vor die Tür. Das Licht schien aus einigen Fenstern und erhellte den Hof um das Haupthaus herum ein klein wenig.

Laura atmete die kalte Luft tief in ihre Lunge ein und ließ sie wieder entweichen. Sie schaute sich um, von der Hofeinfahrt zur Scheune zum daneben stehenden Stall und der darin liegenden Sattelkammer über die Weide dahinter, die sich in etwas weiterer Entfernung vor dem Mädchen auftat, wobei sie nur noch den vorderen Zaun und das Gatter erkennen konnte, alles andere lag zu weit weg. Zu ihrer linken Seite lag direkt der Round Pen, den Becky für die Reitstunden nutzte, sowie Laura momentan für ihr Longentraining mit Rocky, oder wenn sie Bodenarbeit mit Button verrichtete. Dahinter war Robins kleines Häuschen, ehemals Bennys, und daneben war direkt nochmal eins, welches für die Ferienkinder war, wenn sie, wie es in der kommenden Woche der Fall war, zu Besuch kamen. Das letzte für die Kinder hatte den Vorteil, dass man, wenn man das Haus verließ beziehungsweise aus dem Fenster sah, direkt auf die Weide blickte, man war also mitten drin im Pferdegeschehen.

Das Mädchen machte langsame Schritte vorwärts, bewegte sich in Richtung der Weide und blieb mitten auf dem Hof stehen.

Sie verbarg das Gesicht im Kragen ihrer Jacke und nahm diese Wärme in sich auf.

Laura schloss die Augen und genoss diesen ruhigen, für sie harmonischen und endlich wieder friedvollen Moment. Sie kostete ihn aus, sog ihn förmlich wie die Luft ein und wurde mit einem sie befreienden Gefühl belohnt, welches sie sogar lächeln ließ.

Jetzt war wieder alles so, wie es sein sollte.

Das Gebüsch raschelte.

Laura wirbelte erschrocken herum, schaute ich um, konnte aber im Dunkeln nichts ausmachen. Lediglich die Äste schlugen aufeinander, als sich daran anscheinend jemand vorbei mogelte.

Gebannt vom Augenblick versuchte Laura zu erkennen, wer oder was es war. Schließlich wollte sie eine Begegnung mit einem der Wildschweine ausschließen.

Dann heulte nur ein paar Meter neben ihr etwas auf.

Ein Wolf!

Laura versuchte den Wolf in ihrem Gedächtnis zu speichern, sowie die Tatsache, dass er wieder auf Green Valley war.

Crash.

So hatte Benny ihn damals genannt.

Laura hatte Crash kurz nach Bennys Verschwinden das letzte Mal gesehen und nun war er wieder da. Anscheinend immer noch allein. Benny hatte ihr verraten, dass Jungwölfe etwa im Alter von zwei Jahren ihr Elternrudel verließen, um sich einen Partner zu suchen und mit dem ein eigenes Rudel, bestehend aus den eigenen Jungen, gründeten. Die Tatsache, dass der Wolf mittlerweile dann schon mindestens drei Jahre alt sein musste und noch keins hatte, irritierte sie ein wenig.

Wenn sie sich anstrengte, glaubte sie trotz der Dunkelheit seine Umrisse auszumachen. Sie hatte keine Angst mehr vor ihm, hatte Benny auch nie vor ihm, weshalb sie ruhig dort stehen blieb und ihm entgegensah.

Laura hörte ihn scharren, kleine Kieselsteine auf dem Hof rollten, was bedeutete, dass sich Crash auf Green Valley bewegte. Sie hoffte, dass er näher kommen würde, doch so lang sie auch dort stehen blieb und sich friedfertig verhielt, er wollte sich ihr nicht nähern. Das Mädchen respektierte dies und neigte kapitulierend den Kopf.

Wieder heulte Crash auf, dann rollten erneut Kieselsteine und die Äste schlugen aufeinander.

Laura spürte den Verlust seiner Anwesenheit und wusste, dass er weg war. Trotzdem blieb sie gebannt vom Augenblick dort stehen und schaute in die Dunkelheit, so als würde er zurückkommen. Doch er würde nicht kommen, er war gegangen und immer wenn das geschah, kam er nicht so schnell wieder. Er ließ sich Zeit, durchstreifte von Zeit zu Zeit immer wieder sein Gebiet und grenzte es markierend von den anderen ab.

Sein Erscheinen hier führte Laura vor Augen, dass Crash sein Territorium noch immer um und sogar auf Green Valley hatte. Sie wusste nicht warum, aber sie empfand das als einen schönen und vor allem auch beruhigenden Gedanken. Sie wusste, wie viel dieser banale Wolf Benny bedeutet hatte und das durch Crash ein Teil von Biankas Bruder hier geblieben war, ließ sie voller Wärme zurück.

Was war das?“

Laura reagierte sofort auf Robins Stimme, der aus seinem Haus kam.

War das Bandito, der geheult hat?“

Nein“, sagte sie ruhig, ließ sich Zeit mit der Antwort. „Das war Crash.“

Wer ist Crash?“

Laura lächelte in sich hinein, was Robin in der Dunkelheit bestimmt nicht sehen konnte. „Green Valleys Wolf.“

Der junge Mann blieb ruhig, trotzdem stellte sie sich vor, wie er die Stirn nachdenklich runzelte und einen Moment überlegte. „Einen Wolf? Einen richtigen, echten Wolf?“

Jepp.“

Hier auf Green Valley?“

Mhm“, antwortete sie wieder.

Du nimmst mich auf den Arm, oder?“

Ganz und gar nicht. Du hast ihn doch selbst gehört.“

Ja, ich hab was gehört, aber …“ Er verstummte. „Hattest du keine Angst? Du bist so ruhig, nicht, dass du Tollwut hast.“

Sie erkannte den aufkeimenden Humor in Robins Stimme und lachte. „Ja klar. Tollwut. Nein, hab ich nicht. Crash ist in Ordnung. Er hat sein Gebiet hier und kommt uns ab und zu mal besuchen.“

Wow!“, entfuhr es ihm ehrfürchtig. „Ich hab ihn aber noch nie gehört oder gesehen.“

Ja“, Laura seufzte, „das liegt daran, dass er schon eine Weile nicht mehr da war. Schön, dass er noch da ist. Ich hab schon manchmal überlegt, ob er hier die Zelte nicht abgebrochen hat, weil er irgendwo ein Rudel gefunden hat oder er verscheucht wurde.“

Dann kommt der regelmäßig mal vorbei?“

Hin und wieder schon, ja. Eigentlich aber nur so, wie er Lust hat, da gibt es keine richtige Regelmäßigkeit.“

Und der tut nichts, wenn man dem mal während der Arbeit begegnet?“

Nein, er hat bisher noch keinem von uns was getan. Wenn er kommt, dann scheint er nur eben gern auf dem Hof herumzulaufen. Zudem kam er bisher eigentlich immer abends oder nachts.“

Dann ist ja gut.“

Ja“, sprach Laura leise und eher zu sich selbst. „Jetzt ist wieder alles gut.“

Seit der Begegnung mit Crash fühlte sich Laura wieder gelöster, nicht bloß so gelöst wie heute Morgen, als der Tag noch frisch und unverdorben war, sondern so gelöst, als auch noch ihre Gefühlswelt in Ordnung war.

Plötzlich taten sich ihr ganz neue Dimensionen auf. Sie glaubte, dass es Zeit war mit dem Geschehenen zu brechen. Loszulassen, was sie, wenn auch in letzter Zeit nur noch im Unterbewusstsein, gehemmt hat.

Und jetzt, in diesem Moment, an diesem Abend, neben Robin, nach dem Treffen mit Crash, glaubte sie erstmals daran, dass sie das nicht nur schaffte, sondern plötzlich auch wirklich wollte.

*

Wie geht’s weiter?

Der Band AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN, wie auch die beiden Folgebände sind noch in Arbeit. Natürlich werde ich euch über deren Erscheinung auf meinen Kanälen (hier – nämlich meinem Blog -, Facebook und mein Newsletter) berichten.

Wann der nächste Blogartikel erscheint, kann ich noch nicht genau sagen – wenn ihr aber darüber benachrichtigt werden wollt, könnt ihr gerne meinen Blog in der rechten Spalte abonnieren.

Eine neue Idee kam mir: um die Person hinter den Büchern – mich – etwas näher kennenzulernen, würde ich gern eine neue Blogserie starten: ABOUT ME oder so was ähnliches 😉 Wenn es zur Umsetzung kommt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr dabei seid! Euer Feedback zu dieser Idee ist sehr erwünscht …

AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN (14): XXL-Auszug 1

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Quelle: pixabay.com

Nach Band 13 erfahrt ihr heute, wie es in Band 14 AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN weitergeht …

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen & möchte euch daran erinnern, dass die Rechte am Text bei mir liegen!

*

1

Er schaute aus dem Fenster. Er war gespannt was auf ihn zukommen würde.

*

Laura pfefferte ihre Schultasche mit Elan in ihre Zimmerecke.

Yeah! Eine Woche Ferien.

Es war der vorletzte Tag im Oktober, Freitag um genau zu sein. Von nun an hatte Laura eine Woche Zeit, um Abstand von der Schule und dem ganzen derzeitigen Stress zu gewinnen. Zeit, die sie gut nutzen würde. Es war Freizeit mit ihren Freunden geplant, Tageseinsätze mit dem Chieminger Landtierarzt Friedhelm Sreichinger, um ihre praktischen Erfahrungen als Tierärztin zu ergänzen und das aktive Mithelfen auf der Ranch, da kommende Woche auf Green Valley wieder einiges los sein sollte. Es stand mal wieder Reiterfreizeit an, viele Kinder, eine Menge Arbeit und kaum Ruhe – für ihre Eltern anscheinend kein Problem. Sollte und ist es für das Mädchen eigentlich auch nicht, vor allem, weil sie davon kaum persönlich betroffen war, aber das war ihre einzige Ferienwoche und der Gedanke auf Green Valley kaum eine stille Minute zu haben belastete sie vielleicht ein klein wenig, aber auch das würde sie in den Griff bekommen und überstehen.

Morgen früh kamen die ersten Kinder an. Heute hatte Laura die Ranch also noch für sich – wenn man das bei Anwesenheit ihrer Eltern und Robin, dem Hofarbeiter, so nennen konnte. Aber das war ihre Familie und somit nicht der Rede wert.

Seufzend ließ sie sich im Sessel ihres Zimmers nieder und bemühte sich gleichmäßig und tief zu atmen. Es half. Sie bekam einen kühlen Kopf und der Stress fiel augenblicklich von ihren Schultern.

Dann fiel ihr Blick auf ihre Schultasche in der Ecke und ein Teil davon kehrte zurück. Viele Arbeiten, enorm viel Lernen also – auch in den Ferien – und ihre Abiprüfung in etwa einem halben Jahr. Allein bei dem Gedanken drehte sich ihr der Magen komplett um. Prüfungsangst.

Laura hatte panische Angst es zu vermasseln und im Anschluss planlos dazustehen. Denn ihr derzeitiges Ziel beruhte allein auf dem Gedanken der bestandenen Prüfung und ihres anschließenden Studiums der Tiermedizin.

Sie rappelte sich schwerfällig aus dem Sessel auf und ging auf ihre Schultasche zu, kniete sich nieder und zog den Reißverschluss auf. Es half ja doch alles nichts.

Laura holte nacheinander die Bücher und Hefte raus, die sie zum Lernen benötigte. Eigentlich wollte sie noch heute mit dem Lernen beginnen, denn je früher sie loslegte, desto mehr tatsächlich freie Tage konnte sie noch in der Ferienwoche haben. Kam ja ohnehin hinzu, dass sie alle zwei Tage ab Montag mit Streichinger unterwegs war. Den ganzen Tag. Darauf hatte sie lange gewartet. Der etwas ältere, beliebte und erfahrene Tierarzt hatte Rücksicht auf Lauras Umstände genommen: die Sommerferien damals und nun auch das letzte Schuljahr – die dreizehnte Klasse –, sowie die anstehende Ferienwoche, immerhin verlangte er nur, dass sie alle zwei Tage mitfuhr, um ihr noch genügend Zeit zur Erholung bieten zu können. Viellicht war das auch der Vorteil, den sie besaß, weil sie den Tierarzt besser kannte beziehungsweise Streichinger Laura und ihre Familie. Er wusste von all der Arbeit und wollte Laura nicht zu sehr fordern. Das Mädchen war damit einverstanden und hatte nichts daran auszusetzen.

Geschafft vom Tag legte Laura die Hefte und Bücher aber doch nur auf ihren Schreibtisch. Sie wollte diesen Freitagnachmittag noch ausklingen lassen – und zwar nicht mit Lernen.

Sie trat ans Fenster.

Robin Heister fuhr gerade auf seiner schwarzen Yamaha YZF-R3 auf den Hof. Er hatte heute seinen freien Tag, war mit Freunden unterwegs, natürlich auf seinem sportlichen Motorrad, und kostete noch die letzten Herbsttage vor dem Winter aus, um Touren zu machen, weil er das bei klirrender Kälte, Schnee und Eis nicht mehr tat und seine Maschine daher in den Wintermonaten abmeldete und sich ein Auto zulegte, dem er sich in der Zeit widmete.

Robin war so alt wie Laura, achtzehn Jahre, hatte aber eine Vorliebe für Motorräder. Den Job auf Green Valley hatte er nur, weil sich sein Ausbildungschef als Glied einer kriminiellen Bande entpuppte und sich seine Lehre somit auflöste. Seither jobbte er auf der Ranch ihrer Eltern, wohnte in einem der beiden Nebengebäude, jenes, das vorher Benny gehörte, und kam seiner Arbeit nach, auch wenn er sich nicht, nein – eigentlich überhaupt nicht, für Pferde begeistern konnte und sich nach wie vor strikt weigerte auch nur einen Fuß in den Steigbügel zu setzen und Reiten zu lernen.

Aus Jux und Dollerei hatten sie beide ein imaginäres Punktekonto begonnen: es war derzeit ausgeglichen. Aber auch wenn Laura deutlichen Vorsprung und damit gewonnen hätte, würde Robin nicht Reiten lernen, daher auch bloß ein Punktstand aus Jux und Dollerei – einfach, weil sie beide sich damit so gern aufzogen.

Ihr Blick glitt weiter, auf die Weide, auf der die Pferde standen. Eins trank, es war Sun, zwei standen nur herum, ihre Fuchsstute Button und der gelassene Amigo, und die restlichen, bis auf zwei, grasten in einvernehmlicher Ruhe. Bei den beiden ausstehenden handelte es sich um niemand anderen als Rocky Star, Buttons Fohlen und somit jenes von Laura, und Brownis Goal, die Quarter Horse Stute ihres Vaters, Bob Bunkma.

Ihr Mutter, Becky, kam aus dem Stall, war mit Sicherheit in der Sattelkammer und im Schlepptau hatte sie den Junghund Bandito, Lauras Border Collie, der immer mit dabei war, egal wer sich bewegte oder wohin – er war definitiv dabei.

Robin ließ sein Motorrad ausrollen, stellte es ab und schaute sich kurz auf dem Hof um, dann kam er aufs Haupthaus zu.

Lauras Mutter hatte noch nicht gekocht, vielleicht kam er ins Haus, um genau das feststellen zu müssen.

Laura!”

Das Mädchen wurde aus der Ruhe geholt, die sie eingenommen hatte, als sich Robin mal wieder laut Zutritt ins Haus verschaffte und nach ihr rief.

Sie seufzte, wandte sich vom Fenster ab und hörte schon die Treppen im Flur. Sie kam gerade an ihrer Zimmertür an, als diese schwungvoll von Robin aufgerissen wurde.

Da bist du ja.”

Jepp, bin vor etwa zehn Minuten nach Hause gekommen.”

Du hast doch jetzt Ferien, nicht?”

Laura nickte.

Hast du Zeit und Lust was zu machen?”

Laura runzelte überrascht die Stirn, lehnte sich ansatzweise gegen den Rahmen ihrer Tür. Das hatte Robin sie noch nicht so direkt gefragt. Sie arbeiteten hin und wieder auf dem Hof zusammen, hatten auch schon dies und jenes gemeinsam erledigen müssen, aber sich direkt zusammen mit Freizeit beschäftigt hatten sie noch nicht.

Woran hattest du denn gedacht?”

Robin zuckte mit den Schultern. “Nach Chieming oder Traunstein und mal schauen, was man so machen kann. Worauf hättest du denn Lust?”

Laura dachte nach, dann schmunzelte sie. “Auf einen Ausritt. Das können wir doch zusammen machen.”

Er hob eine Augenbraue. “Willst du mich auf den Arm nehmen?”

Ganz und gar nicht. Was ist jetzt?”

Robin schüttelte den Kopf. “Weißt doch, dass ich nicht reite.”

Kann man ja ändern.”

Fängt das wieder an?”

Nur, weil du gefragt hast.”

Ja, ob du Lust hast was mit mir zu machen, gerade jetzt wo du ja auch Ferien hast.”

Laura seufzte. “Also heute nicht. Ich bin irgendwie so müde, ich schätze ich werde heute früh ins Bett gehen. Wann anders vielleicht?”

Vielleicht?” Das Wort schien ihm irgendwie auszustoßen.

Sie wartete ab.

Dann zuckte er mit den Schultern. “In Ordnung.”

Er drehte sich um und Laura wollte gerade den Türgriff nehmen, um die Tür anzulehnen, als sich Robin nochmal umdrehte.

Du willst nichts mit mir machen, oder?”

Sie runzelte die Stirn. “Wie kommst du darauf?”

Robin zuckte nachdenklich die Schultern. “Wir haben bislang noch nichts zuammen gemacht, und da frage ich dich mal und du meinst vielleicht können wir die Tage mal was machen.”

Laura nickte nachvollziehend. Hatte sie es doch gewusst, das Wort kam komisch bei ihm an. “Ich meinte damit ja nicht, dass ich das gar nicht will …”

Aber ungern”, unterbrach er sie.

Sie war irritiert von der Schlussfolgerung. “Äh … nein, ich …”

Robin schaute ihr einige Sekunden dabei zu, wie sie nach Worten rang und suchte und sie anscheinend doch nicht fand. “Sind wir eigentlich Freunde?”, fragte er dann einfach.

Das versunsichrte Laura noch mehr. “Ja. Das dachte ich zumindest bevor du mich das gefragt hast.” Sie verstand nicht ganz was heute mit Robin los war. Er war weder schlagfertig noch so humorvoll und schräg wie sonst.

Das hab ich bislang eigentlich auch gedacht, aber Freunde unternehmen doch auch mal hin und wieder was zusammen, oder nicht? So wie du, Sahra und Bianka, ihr macht doch ständig was.”

Du kannst ja gern mal mitkommen, wenn es das ist.”

Er schüttelte den Kopf. “Das ist es ja gar nicht.”

Sondern?”

Er musterte sie abschätzend. Oder nachdenklich? Das konnte Laura nicht so ganz differenzieren. “Ich wollte einfach mal was mit dir gemacht haben.”

Können wir ja machen.”

Nur heute nicht”, endete Robin.

Laura nickte. “Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.”

Sicher?”

Sicher.”

Also gut.” Nur wenig ermuntert von dieser Aussage drehte er sich wieder um, wollte tatsächlich gehen.

Robin”, rief Laura ihm noch nach.

Hm?” Er wandte sich ihr zu.

Du kannst ja mal Sahra und Bianka fragen, ob sie Zeit haben.”

Er nickte nur, ging die Treppen runter.

Laura merkte ganz deutlich, dass ihm der Vorschlag nicht so gut gefiel. Sie konnte ja nachvollziehen, dass er von den drei Mädchen den besten Draht zu ihr hatte – ganz einfach, weil sie quasi nebeneinander wohnten und jeden Tag miteinander zu tun hatten -, aber auch mit Sahra verstand er sich gut, mit Bianka auch, aber mit ihr hatte er noch nicht allzu oft zu tun gehabt.

Trotz dem Gedanken, der sich gerade bei ihr einnistete, was Robins Beweggrund anging, ausgerechnet mit ihr etwas machen zu wollen, wollte sie ihn nicht zulassen. Es konnte ja auch ganz andere Gründe geben – außerdem wollte sie ihn nicht allzu nah an sich heran lassen. Das hatte sie einmal getan – und sie bereute es noch immer …

Kurzerhand schnappte sie sich ihr Handy, tippte auf den Chatkontakt von Sahra und hielt inne.

Das konnte sie nicht tun. Oder doch? Sollte sie von ihrem Gespräch mit Robin berichten, und wie er reagierte?

Laura legte es seufzend wieder weg. Das war dämlich. Warum sollte sie das Sahra sagen?

Trotzdem war sie bedrückt, wusste nicht genau was es war was sie nun in den letzten Minuten derart runtergezogen hatte, aber sie hatte das strenge Bedürfnis mit jemandem darüber reden zu müsen. Über alles. Alles was ihr gerade im Kopf herumschwirrte, worüber sie sich Gedanken machte, und Sorgen.

Dann nahm sie doch wieder das Handy auf, tippte kopflos einfach die Nachricht und drückte auf den Senden-Button ehe sie nochmal nachdenken und es doch lassen konnte.

Ich fühl mich gerade irgendwie komisch.

Sie legte das Handy neben sich, schaute darauf und machte sich nun doch Gedanken, aber die Nachricht konnte sie nicht mehr zurückholen.

Etwa zwei Minuten später, die sie in Gedanken nachhängend auf ihrem Bett saß, kam die Antwort:

Warum? Was machst du denn?

Laura begann seufzend zu tippen.

Weiß nicht genau. Robin war vorhin hier und wollte was machen, aber ich hatte keine Lust und das hat er mir glaube ich übel genommen. Er war so komisch. Vielleicht ist es das. Oder es sind die anstehenden Tage, das viele Lernen und die Aussicht auf eine vielseitige Woche.

Und was machst du?

Die Frage, was Laura tat, überging sie absichtlich, da Herumsitzen und Luftverbrauchen nicht wirklich eine Tätigkeit darstellte.

Sie legte das Mobiltelefon auf ihren Nachttisch und legte sich zurück, faltete die Hände auf dem Bauch und starrte zur Decke hoch.

Während sie noch in Gedanken war, piepste ihr Gerät. Sie reagierte nicht darauf, weil sie noch ihren Gedanken nachhing.

Sie dachte an Benny. So intensiv und schmerzlich wie jetzt hatte sie es schon ewig nicht mehr getan. Laura hatte es geschafft ihn nur noch oberflächlich im Kopf zu behalten, aber nun traf sie eine ganze Wucht an verschiedenen Emotionen, die sie nicht einordnen konnte, welche demgemäß ihren Kopf durcheinander brachten und sie selbst überforderten.

Benny war mittlerweile seit über sieben Monaten spurlos verschwunden. Damit kam sie anscheinend noch immer nicht ganz klar.

Sie hievte sich blitzartig auf, unterbrach ihren Gedankengang damit abrupt und schnappte sich ihr Handy, las Sahras Antwort, die vor mittlerweile zehn Minuten ankam:

Warum hat er dir das übel genommen? Und warum war er komisch?

Ja, kann schon sein, dass es daran liegt. Sonst alles okay?

Ich bereite mich auf den Kurs übernächstes Wochenende vor. Hab vorhin noch eine Bestätigungsmail von der Leiterin bekommen. Also scheint alles zu klappen 🙂

Und was machst du heute noch? Können ja einen Fersehabend einrichten, um dich auf andere Gedanken zu bringen.

Laura starrte auf den Text. Wie stand sie denn dann da, wenn sie Robin absagte und dann doch was mit Sahra machte?

Sie warf sich seufzend auf ihr Bett. Warum war plötzlich alles so kompliziert?

*

Wie geht’s weiter?

Der Band ist momentan ja im Korrektorat, der Nachfolger, Band 15 DER HIMMEL ÜBER GREEN VALLEY, ist schon fertig geschrieben und die Halbzeit von Band 16 ist auch schon überschritten – es läuft also recht gut 😉 Diese Woche war ich etwas nachlässig, da mein Arbeitsplatz einen neuen Anstrich bekommen hat. Damit lässt es sich ab nächste Woche bestimmt gleich viel schneller schreiben – mal schauen 🙂

Voraussichtlich erscheint am Samstag den 27. Mai der neue Blogartikel, der den zweiten Textauszug parat haben wird.